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50 Betriebe in Delmenhorst und umzu dabei Handwerkstag zieht deutlich weniger Schüler an

Von Sonia Voigt | 17.09.2017, 12:07 Uhr

Delmenhorst/ Landkreis Oldenburg. Als „ganz guten Erfolg“ wertet die Kreishandwerkerschaft den Tag des offenen Handwerks am Samstag und verweist auf gute Gespräche und vereinbarte Praktika. Doch viele Schüler blieben zuhause.

Gut 50 Betriebe in Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg haben am Samstag beim Tag des offenen Handwerks ihre Türen geöffnet, 80 bis 90 Jugendliche folgten der Einladung. Obwohl das deutlich weniger waren als die 130 jungen Besucher 2016 und noch höhere Teilnehmerzahlen in den Vorjahren, wertete die ausrichtende Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/ Oldenburg-Land den Tag als „ganz guten Erfolg“. Zum einen belege dies erneut, dass das Handwerk im „Kampf um die besten Köpfe“ aktiv sein müsse, zum anderen seien die geglückten Begegnungen nach dem Prinzip „Klasse statt Masse“ erfolgreich gewesen, berichtet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hartmut Günnemann.

Tischlerhandwerk interessiert Schüler besonders

Diejenigen Jugendlichen, die kamen, waren laut Günnemann in der Regel sehr interessiert. Betriebe aus dem Tischlerhandwerk, aber auch Friseurin Britta Häusler, hätten von sehr gutem Besuch berichtet. Es seien für beide Seiten informative Gespräche geführt und eine ganze Reihe von Praktika vereinbart worden. Einen Praktikumsplatz bei J. Kruse Metallbau in Delmenhorst hat sich der 14-jährige Marc Klattenhoff, Neuntklässler am Willms-Gymnasium, gesichert. Nachdem ihm der aktuelle Kruse-Azubi Mikel Klein (19) begeistert die Arbeit am Schweißgerät zeigte, kann sich auch Noah Wiltfang (14) von der Realschule an der Lilienstraße eine Lehre zum Konstruktionsmechaniker dort vorstellen. Den Handwerkstag finden beide Schüler eine „gute Aktion“.

Terminüberschneidung mit Jobmesse

Dennoch macht sich die Kreishandwerkerschaft auf Ursachensuche, warum 13 Handwerksbetriebe, bei denen kein Schüler vorbeischaute, umsonst öffneten. „Einflussfaktoren waren nach Einschätzung der Unternehmen das am Vormittag schlechte Wetter und die Terminüberschneidung mit der Job-4-you-Messe in Oldenburg“, erklärt Günnemann. „Das war unglücklich“ bestätigt Frank Stephan, Installateur bei der Firma Depken in Delmenhorst. Acht angehende Anlagenmechaniker lernen hier, drei neue werden für 2018 gesucht. Die zwei Mädchen, die am Handwerkstag kamen, werden nicht dabei sein, mutmaßt Stephan: „Die waren nur wegen einer Umfrage für die Schule da.“ Dennoch bleibt Depken der Aktion treu, mit begrenztem Aufwand. „Ich beantworte gern Fragen, aber unsere Lehrlinge bestellen wir nicht mehr ein“, sagt Stephan. Azubis kämen oft über Schulpraktika oder Online-Jobbörsen zu Depken, für Präsenz in Schulen fehle meist die Zeit.

Kreishandwerkerschaft denkt über Schul-Ansprechpartner nach

Das Problem kennt auch der stellvertretende Kreishandwerksmeister Jörg Kruse, der mit seiner Metallbau-Firma dennoch versucht, bei Berufsinformationstagen und anderen Schulaktionen mitzuwirken. Denn Zahl und Qualität der Bewerbungen sinke stetig. Mit der Metallinnung, deren Obermeister er ist, hat Kruse der Kreishandwerkerschaft vorgeschlagen, einen festen Ansprechpartner für Schulen zu schaffen, der kurzfristiger als die eingespannten Unternehmer Schulanfragen beantworten kann. Trotz dieser Bemühungen schwört er aber auf den Tag des offenen Handwerks: „Hier können sich Schüler ein Bild machen, wie die Arbeit in den Betrieben aussieht – auf Messen ist das schwer darstellbar.“

„Meisterprämie“ als Schritt zur Gleichstellung gewertet

Das sieht Günnemann ähnlich, zumal das Handwerk bei der Nachwuchskräfte-Gewinnung bei Schülern und Eltern einen schwereren Stand habe, als andere Wirtschaftsbereiche. „Vollkommen zu Unrecht, denn die Berufsperspektiven sind sehr gut. Die Betriebe fahren alle Volllast und kommen kaum gegen die Kundenanfragen an“, betont Günnemann. Als wichtigen Schritt in Richtung Gleichstellung der handwerklichen Berufsausbildung sieht er die seit diesem Monat eingeführte „Meisterprämie“ von 4000 Euro.