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51-Jährige war obdachlos Getötete Frau in Delmenhorst wurde schwer misshandelt

Von Eyke Swarovsky | 06.11.2017, 11:33 Uhr

Die Frau, die in der Nacht zu Samstag am ehemaligen Rangierbahnhof am Winterweg getötet worden ist, war obdachlos und ist vor ihrem Tod schwer misshandelt worden.

Wie die Polizei am Montag mitteilte, war die 51-jährige Frau, die in der Nacht zu Samstag in Delmenhorst getötet wurde, obdachlos.

Sie sei zudem schwer misshandelt worden und an den Folgen gestorben. Weitere Informationen wurden zunächst nicht genannt. „Die Ermittlungen laufen“, hieß es vonseiten der Polizei. Die Leiche der Frau ist am Samstag auf dem eingezäunten Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs am Winterweg gefunden worden. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Polizeisprecherin Desirée Krikkis, dass die Faktenlage auch aufgrund der laufenden Ermittlungen noch dünn sei. So könne sie auch noch nicht sagen, woher das Opfer stammt und ob sich die Frau ohne festen Wohnsitz möglicherweise dauerhaft in der Stadt aufgehalten habe. „Schwere Misshandlungen und Obdachlosenmilieu sind das einzige, was wir gerade sicher veröffentlichen können“, so Krikkis.

Wer für den Tod der 51-Jährigen verantwortlich ist, ist noch unklar. „Das Tatmotiv ist unbekannt“, teilte Staatsanwältin Gesa Weiß mit. „Es besteht aktuell kein konkreter Tatverdacht.“ Anhaltspunkte, dass die Frau einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen sei, gebe es nicht. Die Tote sei von einem Bekannten gefunden worden.

Gewalt gegen Obdachlose keine Seltenheit

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe beobachtet seit den 90er Jahren die Zahl der Gewalttaten gegen Obdachlose. Diese seien über die Jahre konstant geblieben, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin, Werena Rosenke. „Es gibt aber ein großes Dunkelfeld.“

Nach der Statistik des Vereins wurden im vergangenen Jahr 19 Obdachlose in Deutschland umgebracht, in elf Fällen kamen die Täter aus demselben Milieu. 2013 wurden sogar 29 Obdachlose getötet. In diesem Jahr wurden bisher 14 Opfer gezählt.

Unterschiedliche Tatmotive

Generell müsse unterschieden werden zwischen der Gewalt Obdachloser untereinander und Überfällen auf Menschen, die auf der Straße liegen. „Es gibt da sehr unterschiedliche Motivlagen.“ So beobachtet der Verein seit vielen Jahren, dass es sich bei den nichtwohnungslosen Tätern häufig um kleine Gruppen jüngerer Männer handelt, die sich schwächere, wehrlose Opfer suchen.

„Da steht im Hintergrund oft ein menschenverachtendes Bild“, sagt Rosenke. Den Gewalttaten unter Obdachlosen geht dagegen in der Regel ein Streit um Schlafplätze oder Habseligkeiten voraus, der eskaliert, weil die Beteiligten betrunken sind.

Im Gegensatz zu Männern würden Frauen vor allem Opfer von versteckter Gewalt in Unterkünften oder Mitwohnverhältnissen, in denen sie oft unter prekären Umständen lebten, um nicht auf der Straße zu landen.

Gelände ist nicht öffentlich zugänglich

Das alte Bahngelände östlich des Winterwegs ist nicht öffentlich zugänglich. 2015 wurden Klagen von Anwohnern laut, dass das Areal samt des einsturzgefährdeten alten Lokschuppens gefährlich sei. So würden Kinder Gefahr laufen, sich an instabilen Dächern oder zersprungenen Fensterscheiben beim Spielen zu verletzen. Daraufhin wurde das Gelände im Februar 2017 komplett eingezäunt.

Ebenfalls Anfang Februar war das mehr als 50.000 Quadratmeter große Areal von der früheren Bahn-Tochter Aurelis Real Estate an die „Wohnen & Leben GmbH“ aus Bad Soden im Taunus verkauft worden. Das Unternehmen möchte auf der Fläche im Stadtosten Wohnbauten errichten.

(mit dpa)