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90 Gleichstellungsbeauftragte in Delmenhorst Fachfrauen sehen Defizite bei Gewalt-Bekämpfung

Von Sonia Voigt | 14.11.2017, 11:05 Uhr

Solange Gewalt gegen Frauen alltäglich ist, gibt es keine Gleichstellung: Aus dieser Einsicht heraus stellen die niedersächsischen Gleichstellungsbeauftragten das Thema ins Zentrum ihrer Tagung in der Delmenhorster Markthalle.

374 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt gab es 2016 in der Stadt, berichtet die Delmenhorster Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann. In über 90 Prozent der Fälle seien die Opfer weiblich und die Täter männlich. „Und die Dunkelziffern sind so hoch, dass man es gar nicht sagen möchte“, ergänzt Borrmanns Stader Kollegin Anne Behrends. In Europa erlebe jede dritte Frau zumindest einmal im Leben Gewalt. Doch obwohl das Problem so allgegenwärtig ist, sehen die 250 Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros Niedersachsen (lag) bei der Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen Defizite.

90 Gleichstellungsbeauftragte in Markthalle

Deshalb stellen sie das Thema ins Zentrum ihrer halbjährlichen Landeskonferenz, für die am Dienstag, 14. November, 90 Gleichstellungsbeauftragte in der Delmenhorster Markthalle zu Gast sind. Im öffentlichen Teil, der um 10 Uhr beginnt, diskutieren die lag-Mitglieder mit zwei Referentinnen darüber, wie die jüngst von Deutschland ratifizierte Istanbul-Konvention mit Leben gefüllt werden kann, und darüber, wie das Land Niedersachsen Gewalt gegen Frauen bekämpft. Beispiele sind der Landesaktionsplan und das Netzwerk „ProBeweis“. Wichtige Schritte, erklärt Anne Behrends, denn: „Gleichstellung kann nicht gewährleistet sein, solange Frauen diese Gewalt erleben.“

Mehr Planungssicherheit für Frauenhäuser gefordert

Noch vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen wollen die Gleichstellungsbeauftragten politische Impulse geben. „Wir fordern zum Beispiel ein bundeseinheitliches System für Frauenhäuser und ihre Finanzierung“, sagt lag-Geschäftsführerin Annette Wiede. Frauenhäuser bräuchten mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit als bisher, auch ohne den Nachweis von Fallzahlen. Es dürfe nicht sein, dass das Ringen um Kostenübernahmen sowie bürokratische Hürden Frauenhaus-Mitarbeiterinnen Zeit kosten. Auch mangle es in Niedersachsen an Täterberatungsstellen und Angeboten für traumatisierte Frauen und Mädchen.

Aktionsplan soll gegen Hebammenmangel helfen

Ein weiteres drängendes Projekt, das die lag in Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat und dem Hebammen-Verband forciert, ist eine bessere Gesundheitsversorgung rund um die Geburt inklusive der freien Wahl des Geburtsorts, was angesichts des Hebammenmangels immer problematischer wird. „Wir schlagen ein Landesprogramm vor, mit dem Ziel einen Aktionsplan zu entwickeln, damit wieder mehr Hebammen ausgebildet werden“, erklärt Birgit Ehring-Timm, Gleichstellungsbeauftragte aus Aurich.