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99-Jährige vermisst Besuch Stadt Delmenhorst spart bei Geburtstagsgrüßen

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 17.02.2016, 19:49 Uhr

Die Stadt hat zum Jahreswechsel Änderungen beim Geburtstagsbesuch von Jubilaren eingeführt. Bei einer 99-jährigen Seniorin löste der fehlende Besuch Tränen der Enttäuschung aus.

Nachdem Margarete Kläner in den vergangenen Jahren zum Geburtstag immer Besuch von der Stadt bekommen hatte, blieb am vergangenen Wochenende der Besuch zum 99. Geburtstag aus. „Meine Großmutter hat zu Hause gesessen und vor Enttäuschung geweint. Sie fragte, ob die Stadt sie wohl vergessen hätte“, verrät ihre Enkeltochter Birgit Fleddermann. Vergessen hat die Stadt Margarete Kläner allerdings nicht. Stattdessen führte eine Regeländerung zum Ausbleiben des Besuches. (Weiterlesen: Delmenhorsterin Irmgard Geyer feiert 100. Geburtstag)

Neue Richtlinien beim Besuch der Jubilare

„Die Jubilare erhalten zum 85. und 95. Geburtstag ein offizielles Schreiben der Stadt. Zum 80., 90. sowie ab dem 100. Geburtstag und dann jährlich werden die Jubilare besucht und erhalten neben dem Schreiben ein Blumenpräsent“, sagt Timo Frers, Pressesprecher der Stadt. Auf diese Entscheidung hätte sich Oberbürgermeister Axel Jahnz im vergangenen Jahr mit den Fraktionsspitzen verständigt, fährt Frers fort. (Weiterlesen: Stadt Delmenhorst ehrt Sportler in der Markthalle)

Anzahl der persönlichen Besuche nicht mehr zu bewältigen

Bis zum Vorjahr galt jedoch noch eine andere Richtlinie und es wurde ab dem 95. Geburtstag jeder weitere Geburtstag gewürdigt. „Mehrere Faktoren haben zu der Entscheidung geführt, den Rhythmus der Besuche zu Alters- und Ehejubiläen zu verändern. Neben der gesteigerten Anzahl der persönlichen Besuche in den vergangenen Jahren ist insbesondere auch der zu erwartende Anstieg in der Zukunft ausschlaggebend gewesen“, erklärt Frers die Änderungen. Nach der Bevölkerungsprognose des Fachdienstes Stadtentwicklung und Statistik werde sich die Anzahl der über 85-jährigen Bürger in Delmenhorst bis zum Jahr 2025 voraussichtlich um rund 75 Prozent erhöhen. Zum Ende des Jahres 2014 seien 1837 Einwohner älter als 85 gewesen. Bis 2025 würden laut Prognose knapp 1400 weitere Personen dazukommen, erläutert Frers. Für die städtischen Vertreter, zu denen neben einer Honorarkraft vor allem Ratsmitglieder und weitere Ehrenamtliche gehören, „gestaltet sich unter anderem aus zeitlichen Gründen“ das Abdecken der persönlichen Besuche zunehmend schwieriger, so Frers. (Weiterlesen: Vortrag zur Demografie am HWK in Delmenhorst)

Unzufriedenheit bei Betroffenen

Im vergangenen Jahr habe die Stadt 1293 Jubilaren einen Besuch angeboten, von denen 888 Besuche angenommen und durchgeführt wurden. Insgesamt habe die Stadt rund 23.000 Euro für die freiwillige Maßnahme ausgegeben. Die in Anspruch genommenen Geburtstagsbesuche der 96- bis 99-Jährigen im Jahr 2015, die seit dem Jahreswechsel nicht mehr stattfinden, beziffert die Stadt auf 52. Bei Birgit Fleddermann wächst deshalb die Unzufriedenheit. „Je älter die Menschen werden, desto weniger Personen haben sie in ihrem näheren Umfeld. Wenn die Stadt dann mit einem Vertreter zum Gratulieren vorbeikommt, ist das ein echtes Highlight für die Jubilare“, meint Fleddermann und kritisiert die neue Regelung der Stadt: „Gelder werden genug verschwendet. Ich glaube, dass man an anderen Stellen deutlich besser Kosten sparen kann.“ (Weiterlesen: Malteser bringen Senioren in Delmenhorst zusammen)

Andere Richtlinien in Ganderkesee und Wildeshausen

In den benachbarten Orten Ganderkesee und Wildeshausen sehen die Richtlinien zu den Geburtstagsbesuchen anders aus. „Bürger, die ihren 80. Geburtstag, den 85. Geburtstag oder den 90. Geburtstag feiern, werden von einem Mitglied aus dem Rat der Gemeinde Ganderkesee besucht. Zum 91., 92., 93. und 94. Geburtstag erhalten die Jubilare ein persönliches Glückwunschschreiben der Bürgermeisterin. Ab dem 95. Geburtstag erfolgen die Besuche jährlich“, sagt Meike Saalfeld von der Gemeindeverwaltung Ganderkesee. Ähnlich läuft es in Wildeshausen ab. „In Wildeshausen erhalten Altersjubilare im Alter von 80, 90 und ab dann jährlich einen Besuch von der Stadt“, so Holger Decke, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Wildeshausen.