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Ab ins Beet: Galerie-Projekt Delmenhorster Kinder buddeln für den Lerneffekt

Von Frederik Grabbe | 06.04.2015, 17:00 Uhr

Der Expressionist Fritz Stuckenberg malte mit Vorliebe Blumen-Stillleben. 30 Kinder und Jugendliche erwecken im Garten der Städtischen Galerie sein Werk nun zu neuem Leben.

Mit Spaten Erde schaufeln, Blumen in ein Beet pflanzen – und sich so nebenbei mit der Kunst beschäftigen: Seit Neuestem sieht der Garten der Städtischen Galerie ein wenig freundlicher aus. Elf Kinder der Kindertagesstätte Süd der Lebenshilfe haben ein Blumenbeet mit Hibiskus, Rosen, Veilchen, Tulpen und anderen Pflanzen bestückt – Pflanzen aus der Region wohlgemerkt, betont Katrin Seithel. Die Kunstvermittlerin der Städtischen Galerie leitet Kinder und Jugendliche für ein Museumspädagogik-Projekt des Bundes, das Projekt MuseobilBOX, an. „Inhalte der Kunst sollen praktisch umgesetzt werden“, erläutert Seithel. In diesem Fall geht es um den Blumengarten des expressionistischen Malers Fritz Stuckenberg (1881 bis 1944). „Mit den Kindern haben wir uns zunächst Werke Stuckenbergs in der Galerie angesehen und uns gefragt, was eigentlich ein Stillleben ist und was Stuckenberg gestaltet hat. Und vor allem: Welche Pflanzen hat er abgebildet“, erläutert die Kunstvermittlerin.

Seit Januar läuft das Projekt. 30 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 14 Jahren machen mit. Beteiligt sind der evangelische Kindergarten Die Arche, die Kindertagesstätte Süd der Lebenshilfe und die Mädchengruppe des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Stadt. Als Partner steht der Freundeskreis Haus Coburg dem Projekt zur Seite.

Seit Januar schon beschäftigen sich die Kinder in den verschiedenen Einrichtungen nun mit Blumendrucken, haben Teile von Stuckenberg-Gemälden abgemalt oder haben sich bei einem Besuch im Blumencenter am Vorbild der expressionistischen Gemälde Pflanzen ausgesucht. „Jetzt aber ging es in die Praxis der Gartenarbeit“, sagt Seithel. „In der Erde stehen und etwas erarbeiten – und das in Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen, darum geht es.“ Dazu gehört es ebenso, Blumentöpfe anzumalen, das Beet abzustecken oder Erde zu verteilen und darin die Pflanzen zu setzen.

Sich die Hände schmutzig machen, mit Gummistiefeln durchs Beet stapfen, Erde in einer kleinen Schubkarre transportieren: Durch diese Art des Erfahrens und Ausprobierens, so laute der pädagogische Hintergedanke, sollen sich die Kinder dem abstrakten Begriff Stillleben nähern.

„Es ist schon möglich, dass eine Pflanze neben der anderen einfach nicht gedeihen will oder möglicherweise eingeht“, beschreibt Seithel mögliche Bemühungen der kleinen Neu-Gärtner. Und das ist durchaus einkalkuliert. „Das Scheitern spielt mit. Es muss hier kein herrliches Blumenbeet entstehen.“ Die Leiterin der Städtischen Galerie, Dr. Annett Reckert, ergänzt: „Hauptsache, es gibt einen Lerneffekt.“

Dazu gehöre auch, die Entwicklung des Beetes zu dokumentieren, zuzusehen, wie die Pflanzen wachsen und blühen. Bis Ende Juni sollen die Kinder und Jugendlichen regelmäßig in den Garten der Städtischen Galerie kommen. Möglich, dass sich noch das ein oder andere Stück zum Beet gesellt. Seithel: „Vielleicht beobachten sie bestimmte Tiere im Garten. Für die könnte man dann ein kleines Haus bauen.“

Ende Juni sollen die Arbeiten des Kunst-Gartenprojektes auch von jedem Kind in kleinen Boxen ausgestellt werden. Was darin zu sehen sein wird, ist noch völlig offen. „Über eine Pflanzenpresse könnten die die Blumen im Beet über die Ausstellung hinaus erhalten werden“, gibt Seithel einen dezenten Hinweis.

Auf diese Weise soll letztendlich auch an den Maler Stuckenberg erinnert werden, der mit seiner Kunst ja der Ausgang des Projektes der Städtischen Galerie war. Der Maler lebte in seiner Jugendzeit und im Erwachsenenalter in Delmenhorst. Was seine Blumen-Stillleben betrifft, malte Stuckenberg „nichts Exotisches“, wie sich Seithel ausdrückt, sondern Pflanzen aus der Region. Dementsprechend ist auch das Beet geprägt.

Ungefähr wird folgendes Gebilde zu sehen sein: „Große und hohe Pflanzen wie Rosen, Hibisken und Rittersporne bilden das Zentrum des Beetes, feingliedrige Pflanzen wie Duftveilchen oder Nelken zieren den Randbereich“, erläuterte Karin Hemken vom Baubetrieb der Stadt vor Ort. Der Baubetrieb steuerte unter anderem die Bohlen fürs Beet, Erde und Pflanzen hinzu.

Ob der Garten über das Projektende im Juni hinaus weiterhin bestehen bleibt, ist laut Reckert möglich. Wünschenswert wäre es. Denn laut Hemken erreichen viele Pflanzen ihre Blüte erst im Spätsommer oder im Herbst.

Die MuseobilBOX ist ein Projekt eines Kulturprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Mittel werden für das Personal der Kunstvermittlung, Material und die Projektpräsentation verwendet.