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Abend in VHS Delmenhorst Podiumsdiskussion erklärt „Teufelskreis Alkoholismus“

Von Jasmin Johannsen | 28.09.2017, 12:18 Uhr

Mit Gesprächen gegen die Sucht kämpfen: Das ist das Ziel der Anonymen Alkoholiker. Am Mittwoch widmete sich die Selbsthilfeorganisation den Anfängen der Abhängigkeit.

Für die einen gehört zu jedem Abendessen eine Flasche Wein, die anderen trinken mehr als nur ein einziges Feierabendbier – der Weg in die Alkoholabhängigkeit ist oft ein schleichender Prozess. Um über die Anfänge der Suchtkrankheit aufzuklären, veranstalteten die Anonymen Alkoholiker am Mittwochabend eine Podiumsdiskussion in der Delmenhorster VHS. „Rund drei Millionen Menschen sind in Deutschland abhängig oder betreiben einen riskanten Alkoholkonsum“, erklärte Dr. Ulrich Böhm, leitender Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Fachklinik für Suchterkrankungen im Bremer Reha-Zentrum Alt-Osterholz. Zusammen mit der Diplom-Sozialpädagogin Marion Bödeker und Alkoholikern sowie Angehörigen diskutierte Böhm zum Thema „Teufelskreis Alkoholismus – Wie fängt es an?“, und machte deutlich: „Der Weg in die Abhängigkeit ist kurz.“

Betroffene erzählen schonungslos

Nachdem die Veranstaltung im vergangenen Jahr auf große Resonanz gestoßen war, füllten sich auch am Mittwochabend die Reihen in der VHS. Rund 70 Interessierte waren gekommen, um sich mit den Diskussionsteilnehmern auszutauschen. Schonungslos erzählten die seit vielen Jahren „trockenen“ Alkoholiker von ihren Leidenswegen und den Anfängen der Sucht.

„Ich habe meine Abhängigkeit meinem Charakter zu verdanken“, erläuterte ein Diskussionsteilnehmer. Er sei schon immer schüchtern und zurückhaltend gewesen, nur wenn er sich „Mut angetrunken“ hatte, fühlte er sich selbstbewusst. Dieses Verhaltensmuster sei immer wieder bei Suchtkranken zu beobachten, erklärte Böhm. „In der Therapie muss das Selbstvertrauen der Betroffenen oft erstmal wiederaufgebaut werden“, sprach auch Bödeker aus Erfahrung. Die Einsicht der eigenen Abhängigkeit sei allerdings der erste Schritt auf dem Weg zur Gesundung. Ein sehr schwieriger Prozess, wie die Betroffenen berichteten. „Ich sah mich selbst als Weinliebhaberin aber keinesfalls als Alkoholikerin“, schilderte eine Diskussionsteilnehmerin. Erst als ein Freund sie auf ihre Trinkgewohnheiten ansprach, sei ihr ihre prekäre Lage bewusst geworden. „Ich trank drei Tage keinen Alkohol und kämpfte mit schweren Entzugserscheinungen“, räumte die Betroffene ein.

„Man muss selbst bereit sein“

Freunde und Verwandte würden oft zuerst das krankhafte Verhalten eines Süchtigen erkennen, berichtete Bödeker. Allerdings könne kein Betroffener zu einer Therapie gezwungen werden. „Man muss selbst dazu bereit sein, sonst versagt jeder Entzug“, waren sich die Betroffenen einig.