Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Abitur in Delmenhorst Aaliyah Mitchell hat sich zum Abi durchgekämpft

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 14.06.2016, 16:07 Uhr

Die Delmenhorsterin Aaliyah Mitchell ist von der Hauptschule auf das Gymnasium gewechselt – und hat jetzt ihr Abi geschafft.

Am Freitag wird Aaliyah Mitchell im Kleinen Haus ihr Abiturzeugnis in Empfang nehmen. Zum Start ihres Schullebens auf den weiterführenden Schulen war dieses Ziel noch in weiter Ferne: In der fünften und sechsten Klasse besuchte sie die Hauptschule West.

Am Freitag noch Hauptschule, am Montag auf dem Gymnasium

„Mein Grundschulzeugnis war mittelmäßig“, berichtet die 20-Jährige heute. Dazu sei sie sehr still gewesen: „Ich habe eine Hauptschulempfehlung bekommen.“ Ihre Grundschullehrerin war der Ansicht, dass sie sich dort besser entwickeln könnte. Und das tat sie dann auch – in ungeahntem Ausmaß. Nach anderthalb Jahren mit sehr guten Noten empfahl ihr Klassenlehrer einen ungewöhnlichen Schritt: den direkten Wechsel zum Gymnasium. „Das ging recht schnell. Ich war am Freitag noch auf der Hauptschule, am Montag schon auf dem Gymnasium“, erinnert sich die Abiturientin an ihren Wechsel an das Max-Planck-Gymnasium.

Unschöne Bemerkungen von Lehrern

Ganz einfach war das Überspringen der Realschule für sie nicht, obwohl sie wieder zurück in die fünfte Klasse ging. In Mathe stürzte sie von einer Eins auf eine Fünf ab. „Ich war ganz auf mich allein gestellt. Die Lehrer haben einfach weiter gemacht, ohne auf mich zu achten“, berichtet sie. Auch einige unschöne Bemerkungen von ihren Lehrern hat es zu dem Wechsel gegeben, wie sich ihre Mutter Astrid Mitchell erinnert. Von den Schülern kamen dagegen andere Reaktionen: „Ich hatte Glück. Ich kannte viele noch aus der Grundschule. Die fanden das eigentlich eher bemerkenswert.“

Mutter wird zur Motivatorin

Auch wenn sich ihre Mathenote „bis heute nicht wieder gefangen hat“, wie sie schmunzelnd erzählt, bereut sie den Schritt im Nachhinein nicht. Dennoch gab es auch einige Durchhänger. „Als in der zehnten Klasse noch Französisch dazu kam, musste ich kämpfen“, sagt sie. Sie sei kurz davor gewesen, alles hinzuschmeißen. „Meine Mutter war meine Motivatorin, gerade in der zehnten Klasse. Sie hat mich überzeugt, weiterzumachen. Heute bin ich froh darüber.“ So kämpfte sie sich auch durch die elfte Klasse, die sie einmal wiederholen musste.

„Es hat sich gelohnt.“

Den Lohn für diese Mühen erhielt sie einen Tag vor ihrem 20. Geburtstag. Am 3. Juni stand fest: Sie hat das Abitur bestanden. „Sie hat sich selbst das größte Geschenk gemacht“, sagt ihre Mutter. „Ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe. Ich habe zwar nicht den besten Schnitt, aber es hat sich gelohnt“, meint die frischgebackene Abiturientin. Im kommenden Jahr will sie eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau beginnen. Vorher möchte sie ein Jahr jobben. „Ich möchte eine Pause vom Lernen und von der Schule“, sagt sie. Die hat sie sich auch verdient.