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Abriss des City-Parkhauses Delmenhorster Kaufleute sorgen sich wegen Parkplatz-Not

Von Michael Korn | 15.11.2016, 17:32 Uhr

Angesichts wachsender Parknot in der Delmenhorster Innenstadt wird der Ruf nach Alternativen bei den Kaufleuten lauter. Die Sorge: Kunden könnten wegbrechen. Die Redaktion hat sich unter den Betrieben umgehört.

Nicht nur Delmenhorst leidet unter Parkplatznöten wegen eines maroden Parkhauses, sonder auch Oldenburg: In der Huntestadt mussten jetzt 120 von 500 Stellflächen in der Tiefgarage des City Centers gesperrt werden. Während der Oldenburger Einzelhandel umgehend besorgt reagierte und Alternativen für die Innenstadt-Besucher fordert, begegnet die Delmenhorster Kaufmannschaft dem nahenden Verlust von 400 Parkplätzen im abgängigen City-Parkhaus auffallend gelassen.

An einem Strang ziehen

Nur auf dk-Nachfrage äußerten sich jetzt mehrere Geschäftsinhaber. „Ich habe zum Glück einen Parkplatz direkt vor der Tür“, sagt Sabine Jünemann, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung. Gleichwohl bewertet sie den nahenden Abriss des City-Parkhauses kritisch. „Eigentum verpflichtet: Hätte die Stadt das Parkhaus über die Jahre instand gehalten, hätte man einen Abriss sicherlich umgehen können.“ Kaufmannschaft und Stadtverwaltung müssten jetzt an einem Strang ziehen. Für die Überbrückungszeit, in der die Stadt auf ein Parkhaus verzichten muss, immerhin zwei Jahre, bringt sie einen Vorschlag ins Gespräch: „Die Kunden könnten zumindest für eine kurze Parkdauer auf Nebenstraßen ausweichen.“

Marktplatz und Hotelwiese für Kurzparker freigeben?

Die Nutzung vorhandener Straßen und Plätze als Lösung für die wachsende Parknot? Ganz ähnlich sieht das Juwelier Heinz-Jürgen Buchholz. Marktplatz, Bismarckplatz, Brunnenplatz – wenn es nach ihm ginge, sollte die Stadt diese und weitere Flächen zum Parken freigeben. Mit Einschränkung: „Wenn Wochenmarkt ist, geht das natürlich nicht.“ Die Hotelwiese wäre für Buchholz eine denkbare Alternative für Kurzparker gewesen. Die Stadt würde diese Maßnahme nur die Schilder kosten. Der Rat hat diesen Vorschlag jedoch bereits abgelehnt. „Ohne fußläufige Parkplätze werden uns die Kunden abspringen und eher im Roland-Center denn in der Innenstadt einkaufen.“ Seine Kunden könne er schließlich nicht einfach umerziehen. Vom „Stadtgespräch“ zum City-Umbau in der vergangenen Woche habe er sich im Übrigen mehr erhofft. „Die richtigen Antworten waren nicht dabei.“ Buchholz kleidet seine Kritik in deutliche Worte: „Es ist kurz vor zwölf. Ohne ausreichend Parkplätze überleben wir als Geschäfte nicht.“

Sorge um Neukunden-Gewinnung

Auch Stephan Kummer, Filialleiter beim Augenoptiker Kunk, nimmt Anstoß an der Informationspolitik der Stadtverwaltung. Er befürchtet, dass sich Neukunden in Zukunft schwerer gewinnen lassen. Die Stadt müsse Ersatzflächen schaffen und das in der ganzen Region kommunizieren. „Das Parkhaus kommt weg“ reiche da nicht. Gelassener nimmt es hingegen Gregor Weigmann von Weigmann-Brillen. Er meint: „Wir machen uns keine akuten Sorgen.“ Die Leute könnten an der Graft oder beim Jute-Center parken. „Möglichkeiten gibt es genug.“