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Abschied vom Kreisssaal Delmenhorster Hebamme gibt Beruf nach 48 Jahren auf

Von Dirk Hamm | 17.12.2016, 17:29 Uhr

48 Jahre lang hat Regine Hagen als Hebamme gearbeitet, davon 38 Jahre in „Ich liebe diesen Beruf“, sagt sie. Jetzt hört sie auf. Eigentlich hätte Hagen schon vor drei Jahren in Rente gehen können.

Als zu Beginn der vergangenen Woche im Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) ein Mädchen entbunden wurde, war Regine Hagen zum letzten Mal als Geburtshelferin beteiligt. Erst am Ende ihres letzten Arbeitstages habe sie sich bewusst gemacht, dass beinahe 50 Dienstjahre nun abgeschlossen sind, berichtet die Hebamme: „Ich bin rausgegangen und habe gedacht: 48 Jahre habe ich in dem Beruf gearbeitet und dabei das Glück gehabt, dass in all den Jahren Mutter und Kind immer wohlauf waren nach der Entbindung.“

Schon seit drei Jahren im Rentenalter

Bereits vor drei Jahren hatte Hagen das Rentenalter erreicht, doch auf ihren reichen Erfahrungsschatz mochte die Klinik nur ungern verzichten. So machte sie weiter und erschien in den vergangenen drei Jahren zu rund fünf Diensten im Monat im Kreißsaal. „Aber irgendwann muss Schluss sein“, meint die 68-Jährige, als sie im Blauen Salon des JHD im Kreise der Kolleginnen ihren Abschied feiert.

An bis zu 2000 Geburten mitgewirkt

Allein 38 Jahre hat sie in Delmenhorst gewirkt, zwischen 1500 und 2000 Babys haben mit ihrer Hilfe das Licht der Welt erblickt, schätzt Hagen. Die Arbeit als Geburtshelferin war für sie mehr als nur ein Beruf: „Es war meine Berufung. Ich liebe diesen Beruf über alles.“

Nachdem Regine Hagen 1969 in Celle ihr Examen abgelegt hatte, wechselte sie ans Kreiskrankenhaus in ihrer Heimatstadt Lüneburg. Zwar habe es damals mehr Geburten als heute gegeben, aber: „Das war damals schon ein anderes Arbeiten, ein bisschen lockerer und entspannter als heute.“ Die aufwendigen Dokumentationspflichten, die inzwischen zu erledigen sind, haben in den Anfangsjahren ihrer Berufszeit noch keine so große Rolle gespielt.

Neu-Ruheständlerin sucht sich schon neue Aufgaben

Eine andere Veränderung begrüßt die Neu-Ruheständlerin, die sich künftig ehrenamtlich in der Schülerbetreuung oder in der Flüchtlingshilfe engagieren möchte: Der Mutter-Kind-Bindung komme heute direkt nach der Geburt eine zentrale Rolle zu, früher sei dafür im vorgegebenen Ablauf nach der Entbindung weniger Raum vorhanden gewesen. „Das ist zum Glück nicht mehr der Fall“, sagt Hagen. Üblich sei es längst, dass das Neugeborene auf die Brust der Mutter gelegt und so ein „Bonding“ ermöglicht werde.

Keine Sorge um Perspektiven für den Beruf

Um die Zukunft ihres Berufsstands ist der zweifachen Mutter, die über die Stationen Wuppertal und Amberg ans damalige St. Josef-Stift nach Delmenhorst kam, nicht bange: „Wer diese Ausbildung macht, findet sofort einen Arbeitsplatz.“