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Abwasserreinigung in Delmenhorst Stadtwerke sanieren Kläranlage für acht Millionen Euro

Von Frederik Grabbe | 09.08.2016, 20:01 Uhr

Acht Millionen Euro will die Stadtwerkegruppe über die kommenden Jahre ins Delmenhorster Klärwerk stecken. Neue Verfahrens- und Energietechnik soll die Abwasseraufbereitung effektiver machen, Strom einsparen und die Anlage fit für künftige Ausbauten machen – denn besonders Mikroplastik und Arzneimittel sind noch nicht filtrierbar.

Die Stadtwerkegruppe investiert acht Millionen Euro in die Kläranlage Am Donneresch. Dies teilte der Geschäftsführer der Stadtwerke, Hans-Ulrich Salmen, bei einem Pressegespräch am Dienstag mit. Demnach soll die Anlage auch fit gemacht werden für weitere Ausbaustufen, sollten die gesetzlichen Auflagen künftig strenger werden.

Bestehende Technik teilweise knapp 40 Jahre alt

Die Anlage wurde Ende der 70er Jahre gebaut, insbesondere stehen laut Salmen Betonsanierungen, eine Modernisierung der Verfahrens- und Elektrotechnik und damit verbunden eine Verbesserung im Energiemanagement an. (Weiterlesen: Stadtwerke warnen vor falschen Mitarbeitern)

Hier ein kleiner Überblick:

Kürzere Wege für Restschlamm, ein Whirlpool für Bakterien, neuer Beton für Filterlaufbahnen

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  • Beispiel Überschussschlammeindickung: In dem Bereich wird vorfiltriertes Abwasser künftig in einem neuen Gebäude über ein Siebband gereinigt. Aktuell wird es durch Sauerstoffzufuhr und Bakterienkulturen in raumgreifenden Becken gesäubert. Der Vorteil: „Restschlamm ist einfacher zu transportieren und die Transportwege zum Rest der Anlage sind kürzer“, erklärt der Bereichsleiter für Entwässerung, Jens Kramer.
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  • Oder Beispiel Belebungsbecken: In mehreren 3500 Kubikmeter fassenden Becken bringen große Paddelwerke Sauerstoff und Wasserbewegung unter verschiedene Bakterienkulturen, die das Wasser reinigen. Die Paddel werden durch eine Art feinporiges Ventilsystem ersetzt, dass Sauerstoff freisetzt. Bakterien leben quasi in einem Whirpool. „So können wir effektiver reinigen und bis zu 40 Prozent unseres Gesamtstromverbrauchs an Strom einsparen“, sagt die Leiterin der Kläranlage, Gaby Waldeck. Dass dies auch funktioniert, haben die Verantwortlichen der Anlage lange getestet, ein Jahr lang nämlich.
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  • Oder Beispiel Nachklärbecken: Hier sollen neue Einlass-Türme die Abwasserverteilung und die Schlammabsetzung effektiver gestalten, zudem wird der Beton saniert, um die Laufbahn der Filtrierungsanlage in Form zu halten.

Hoffnung auf geringere Abgaben für die Stadt

Durch diese Modernisierungen der Anlage erhoffen sich die Stadtwerke auch geringere Abwasserabgaben für die Stadt: Denn das Abwasser der Kläranlage landet am Ende in der Weser. Dafür zahlt die Stadt Delmenhorst Abgaben an das Land Bremen. Ist der Reinigungsgrad der Kläranlage höher, desto geringer sind auch die Abgaben, schildert Salmen die Hoffnung der Stadtwerke. (Weiterlesen: Stadtwerke sanieren Graftbrunnen)

Mikroplastik und Arznei schwimmen trotz aller Technik im Wasser

Generell aber zielen die Verbesserungen in der Verfahrens- und Energietechnik auf einen künftigen Ausbau der Anlage. Denn seitens der Stadtwerke rechne man schon mit der sogenannte vierten Reinigungsstufe, die von den Klärwerken einfordert, beispielsweise Arzneimittelrückstände oder Mikroplastik aus dem Abwasser zu filtern. Hierzu ist die Anlage aktuell noch nicht in der Lage. So lassen sich Am Donneresch im geklärten Abwasser etwa Antibiotika, Schmerzmittelrückstände, Östrogen aus der Verhütungspille oder durch das Krankenhaus verantwortetes Röntgenkontrastmittel feststellen. Mikroplastik sei derzeit technisch noch nicht feststellbar, aber aller Wahrscheinlichkeit nach vorhanden, so Salmen.

6,2 Millionen Kubikmeter Abwasser im Jahr

Die Kläranlage Am Donneresch fängt die Abwässer Delmenhorsts, Ganderkesees und von Teilen Harpstedts sowie Lemwerders auf, reinigt sie und führt sie der Weser zu. Im Jahr bereitet sie so rund 6,2 Millionen Kubikmetern Abwasser auf.