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„Abzieherei“ mit Haft bestraft Delmenhorster wegen räuberischer Erpressung verurteilt

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 13.10.2016, 18:09 Uhr

Das Landgericht Oldenburg hat am Donnerstag zwei Delmenhorster verurteilt, die wegen räuberischer Erpressung angeklagt waren.

„Sie haben das Pech, dass Sie nun ein Erwachsener sind.“ Mit diesen Worten hat am Donnerstag der Vorsitzende Richter Christian Weigmann einem 22-jährigen und damit ältesten von drei Delmenhorster Angeklagten erklärt, weswegen ihn die Jugendkammer kurz zuvor zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt hatte. Seinen 19-jährigen Bruder verurteilte die Kammer dagegen nach Jugendrecht zu einer Freiheitsstrafe von „nur“ einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Beide befand das Gericht der „besonders schweren Erpressung in einem minder schweren Fall“ für schuldig, wohingegen es den dritten Angeklagten freisprach.

20-Jährigen um ein Smartphone erleichtert

Konkret haben die beiden Brüder nach Überzeugung des Gerichts im November letzten Jahres einen 20-jährigen Delmenhorster um ein Smartphone erleichtert . Dieses Smartphone hätten die Brüder offenbar als kleine „Entschädigung“ dafür betrachtet, dass ihr Opfer sie einige Wochen zuvor als Mittäter eines gescheiterten Raubüberfalls auf einen Kiosk bei der Polizei verpfiffen hatte. Um ihr Opfer dazu zu bewegen, das Smartphone auszuhändigen, bauten die Brüder eine massive Drohkulisse auf. Während der

Jüngere mit einem Schlagstock spielte, hatte der Ältere ein Klappmesser vor sich liegen, als er mit dem Geschädigten „diskutierte“. Dieser unterschrieb schließlich einen „Kaufvertrag“, demzufolge er den Brüdern sein Smartphone für 80 Euro übertrug – ohne dieses Geld allerdings je zu sehen.

Haupttäter droht sogar noch längere Haft

Insbesondere wegen des geringen Beutewerts sprach Weigmann in seiner Urteilsbegründung von einem „minder schweren Fall“. Die Tat trage eher die Züge einer „Abzieherei“ als eines klassischen Überfalls, so der Richter.

Zuvor hatte der 22-jährige Haupttäter eingeräumt „sehr dumm“ gehandelt zu haben. Er bekenne sich aber keinesfalls einer räuberischen Erpressung schuldig, sondern allenfalls einer Unterschlagung. Da er derzeit aufgrund einer anderen Straftat lediglich zur Bewährung auf freiem Fuß lebt, droht ihm nun eine noch längere als lediglich zweieinhalbjährige Zeit hinter Gittern.