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Aktionswoche Schuldnerberatung Delmenhorster Experten: „Müssen Schuldnerberatung stärken“

Von Merlin Hinkelmann | 22.06.2017, 11:19 Uhr

Unter dem Titel „Überschuldete brauchen starke Beratung“ veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung eine bundesweite Aktionswoche. Auch die Schuldnerberater des Paritätischen Delmenhorst beteiligen sich daran.

Bessere Rahmenbedingungen für eine gute Schuldner- und Insolvenzberatung schaffen: Das ist das Ziel der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung, die vom 19. bis zum 23. Juni stattfindet. Auch die Beratungsstelle vom Delmenhorster Kreisverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes an der Bismarckstraße beteiligt sich und bekräftigt damit die Forderungen, mit denen sich die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung vor der anstehenden Bundestagswahl an die Politik wendet. Ein Thema, das die Schuldnerberater umtreibt, ist die Finanzierung der Beratung. „In jedem Bundesland ist anders geregelt, wer für eine Beratung zahlen muss und wer nicht“, erklärt Schuldnerberaterin Sabine Heyen und fordert: „Der Rechtsanspruch muss gesetzlich festgeschrieben werden – und zwar unabhängig vom Einkommen der Betroffenen.“

Für viele ein Tabuthema

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Schmolke-Dreyer – beide arbeiten in Teilzeit – plädiert sie dafür, das Netz der gemeinnützigen Beratungsstellen auszubauen, denn gerade in ländlichen Regionen gebe es immer noch Lücken. Ebenso treten sie im Sinne der Aktionswoche für eine Weiterentwicklung des Pfändungsschutz-Kontos, für eine bedarfsdeckende Existenzsicherung und die Einführung einer eigenständigen Grundsicherung für Kinder ein. „Schuldnerberatung ist nichts Selbstverständliches“, betont Sabine Heyen. „Viele Schuldner gehen mit ihrem Problem nicht offen um, schämen sich für ihre Situation.“ Auch Schmolke-Dreyer bestätigt: „Es ist bei vielen ein Tabuthema.“ Hier setzen die Schuldnerberater an. Der erste Schritt heißt Aufklärung. „Die Leute müssen zum Beispiel wissen, welche Rechte ein Gläubiger hat“, so Heyen.

Betroffenen den Druck nehmen

Zusammen mit den Schuldnern checkt sie Einnahmen, Ausgaben, Schulden und nimmt dann Kontakt zu den Gläubigern auf. Es gebe nicht wenige Leute, die Briefe ihrer Gläubiger aus Angst schon gar nicht mehr öffnen würden, berichtet Schmolke-Dreyer. „Diesen Druck müssen wir den Betroffenen nehmen und erst einmal Struktur schaffen.“ Denn sehr häufig ginge es bei den Schuldnern „um die nackte Existenz und nicht etwa um Luxusgüter wie das Sofa oder neue Auto“. Bis hin zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens begleiten die Schulderberaterinnen ihre Klienten. „Man kann das Rad nicht neu erfinden, aber Schuldnerberatung wird in unserer Gesellschaft immer ein großes Thema bleiben“, meint Heyen. Auch deshalb unterstützt die Delmenhorster Beratungsstelle die Aktionswoche.