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Alkohol-Unfälle auf Höchststand Delmenhorster Beratungsstelle warnt vor Alkohol am Steuer

Von Sonia Voigt | 15.05.2017, 17:58 Uhr

Den Komplettverzicht auf Alkohol am Steuer fordert die Anonyme Drogenberatung Delmenhorst auch wegen gefährlicher Schnapsideen. So wie die eines jungen Partygängers, der schon sicher zuhause war und dann sich dann volltrunken ans Steuer setzte, um sich einen Snack zu holen.

Rund 20 Delmenhorster, die ihren Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren haben, berät die Anonyme Drogenberatung (drob) Delmenhorst jährlich. „Aber es sind mehr, viele gehen auch zum Verkehrspsychologen“, weiß drob-Leiterin Evelyn Popp. Die Betroffenen, die mit 1,1 Promille und mehr Auto oder mit über 1,6 Promille Fahrrad gefahren sind, seien dabei mitnichten immer Alkoholiker. „Das bedeutet immer einen Kontrollverlust, aber suchtkrank sind die meisten nicht“, räumt Popp mit einem Vorurteil auf. „Sie unterschätzen die Wirkung des Alkohols oder halten sich aus anderen Gründen nicht an die Punktnüchternheit“, ergänzt die ausgebildete Verkehrspsychologin.

Risiko tödlicher Unfälle verdoppelt sich schon bei 0,5 Promille

Punktnüchternheit – also in bestimmten Lebenslagen, wie im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz oder in der Schwangerschaft grundsätzlich auf Alkohol zu verzichten –darum geht es der drob und weiteren Akteuren bei der aktuellen Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser“. Den Schwerpunkt haben die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Barmer und Deutsche Rentenversicherung bei der aktuellen Aktion auf den Straßenverkehr gelegt, „Kein Alkohol unterwegs!“ lautet das Motto. Denn die Gefahren sind vielen noch nicht ausreichend bekannt: „Mit 0,5 Promille am Steuer ist das Risiko einen tödlichen Unfall zu erleiden doppelt so hoch, bei 0,8 Promille schon viermal so hoch“, erklärt drob-Mitarbeiter Henning Fietz. 139 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss zählte die Polizeiinspektion Delmenhorst/ Oldenburg-Land/ Wesermarsch 2016, der höchste Stand seit 2008.

Körper baut nur 0,1 Promille Alkohol pro Stunde ab

Den Komplettverzicht auf Alkohol am Steuer findet das drob-Team aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Die Erfahrung der Berater zeigt: Wenn ein, zwei Bierchen getrunken sind, schwinden die Hemmung, mehr zu trinken, sowie die nötige Vernunft, um Risiken für sich und andere zu vermeiden. So habe sich ein junger Mann nach der Disco vom vorab vereinbarten nüchternen Freund nach Hause chauffieren lassen, nur um sich dann volltrunken ans Steuer zu setzen, um bei der Tankstelle noch etwas zu essen zu kaufen, schildert Popp einen klaren Fall von Schnapsidee. „Viele wissen auch gar nicht genau, wie viel sie getrunken haben“, sagt die drob-Leiterin. Wer viel gewöhnt sei, spüre die Wirkung nicht mehr so stark. Trotzdem baue der Körper nur rund 0,1 Promille Alkohol pro Stunde ab, bei Frauen noch weniger als bei Männern. Das lasse sich auch durch Duschen, Kaffee oder gar Pillen nicht beschleunigen.

„Mitwisser sind mitschuldig“

„Wer alkoholisiert Auto fährt, riskiert nicht nur seinen Führerschein, sondern das Leben anderer“, betont drob-Mitarbeiter Fietz. „Mitwisser sind mitschuldig“, ergänzt er. Zu oft fehle anderen Partygästen, Kegelbrüdern oder Vereinskameraden der Mut, Betrunkene vom Autofahren abzuhalten. Dabei sei es wichtig einzugreifen, wenn nötig auch mit der Polizei zu drohen. „Oder können Sie damit leben, wenn Ihr Bekannter auf dem Rückweg jemanden totfährt?“, fragt Fietz.