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Als Zeichen der Dankbarkeit Flüchtlinge pflanzen Baum in Delmenhorster Graft

Von Kristina Müller | 13.10.2017, 20:15 Uhr

Als Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit: Flüchtlinge haben auf der Streuobstwiese in der Delmenhorster Graft einen Apfelbaum gepflanzt.

Mansour Rahmani flüchtete vor fast zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. Weil er in Deutschland und vor allem in Delmenhorst so herzlich aufgenommen wurde, wie der 31-Jährige erzählte, wollte er mit einem besonderen Geschenk „Danke“ sagen und hat gemeinsam mit anderen Flüchtlingen einen Apfelbaum auf der Streuobstwiese in der Delmenhorster Graft gepflanzt.

„In unserem Land gibt es viele Probleme und Krieg. Als wir geflüchtet sind, wurde unterwegs auf uns geschossen und viele sind gestorben“, erinnerte er sich und muss sich seine Tränen verdrücken. Hier, so sagte er, wurde ihnen Kleidung, Essen und eine Unterkunft gegeben und dadurch gezeigt, dass sie Menschen sind. Um ein Stück von der Herzlichkeit zurückzugeben, kam ihm die Idee, einen Baum zu pflanzen: „So wissen später noch Generationen von anderen Flüchtlingen, wie die Deutschen den Flüchtlingen geholfen haben“, betonte Rahmani. „Deutschland ist jetzt mein Land. Ich werde nicht mehr zurückgehen.“

Familie durfte vor Kurzem nachziehen

Rahmani hatte in Afghanistan als Polizist gearbeitet, wie er erzählte. Nachdem ein Krimineller, den er zuvor hinter Gitter brachte, wieder freigelassen wurde und ihn und seine Kinder bedrohte, beschloss er, zu fliehen. Auch wenn er manchmal noch einen Dolmetscher brauche, habe er sehr schnell Deutsch gelernt, erinnerte sich Gabi Baumgart von der Awo, Leiterin der Flüchtlingsunterkunft. Außerdem sei er auch früh zum Christentum konvertiert und habe dadurch viele Probleme gehabt.

Vor einigen Wochen konnten auch seine Frau und seine drei Kinder nach Deutschland nachkommen. „Bis sie ihr Visum bekamen, hat es fast ein halbes Jahr gedauert. Während der ganzen Zeit wusste er auch nicht, wo seine Frau und Kinder sind“, erzählte Baumgart. Als er auf seine Frau gewartet und um sie gebangt hatte, kam ihm die Idee mit der Baumpflanzaktion.

„Neue Wurzeln geschlagen“

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Axel Jahnz entschieden sie sich für einen Apfelbaum, „weil er Früchte trägt, die man essen kann, und auch die Fruchtbarkeit des Baumes ist ein wichtiges Symbol“, sagte Jahnz. „Die Menschen haben ihre Wurzeln in ihrer Heimat gelassen, um hier neue Wurzeln zu schlagen.“ Jahnz freue sich schon darauf, in den kommenden Jahren zu sehen, wie aus dem kleinen Bäumchen ein großer starker Baum mit vielen Früchten werde.