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Altes St.-Josef-Stift wird abgerissen Ein Stück Delmenhorster Medizingeschichte endet

Von Frederik Grabbe | 05.07.2016, 12:02 Uhr

Ein Stück Medizingeschichte Delmenhorsts geht zu Ende. Ab August soll das alte St. Josef-Stift in der Innenstadt in großen Teilen abgerissen werden. Bis auf einen kleinen Bereich stehen die meisten Stationen nach Abschluss des Umzugs leer. Ein Besuch.

Delmenhorst erlebt derzeit ein seltenes Ereignis: Die beiden Krankenhäuser der Stadt vereinen sich in einem Komplex. Sind am Standort Deichhorst die zusammengeführten Belegschaften des seit 1. Juli offiziell vereinten Krankenhauses Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) nun dabei, Räume einzurichten, Geräte aufzustellen, leer stehende Trakte mit neuem Leben zu füllen und einen funktionierenden Krankenhausalltag zu etablieren, bietet sich abseits dieses Trubels im jetzigen Standort Mitte ein komplett anderes Bild.

Mitarbeiter lassen es zum Abschied krachen

Dort sind die Gänge leer und verwaist. Einige wenige medizinische Leistungen werden hier noch erfüllt . Am Donnerstagabend mögen sich einige Delmenhorster über lautstarke Partys in der Innenstadt gewundert haben. Das Personal, unter anderem der Intensivstation, hat es am Ende noch einmal krachen lassen. Nach Jahren der medizinischen Betreuung nahmen die Mitarbeiter mit einer Feier Abschied. „Da sind einige Tränen geflossen“, berichtet JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach am Freitag beim Ortstermin am Standort Mitte.

Ein Stück Medizingeschichte Delmenhorsts geht zu Ende

Im August rollen die Bagger an. Dann sollen große Teile des früheren St.-Josef-Stifts abgerissen werden . „Die Intensivstation war seit Bestehenden des katholischen Krankenhauses hier“, sagt Breidenbach. Das Gros der abzureißenden Trakte sei 1930 gebaut worden. Der älteste Teil des Gebäudes stamme aus dem Jahr 1889. „An den alten Zellen der Ordensschwestern stehen immer noch die Namen der Frauen, die zuletzt darin gelebt haben“, sagt Breidenbach. Fällt die Hülle des alten St.-Josef-Stifts, fällt auch ein Teil der Medizingeschichte Delmenhorsts. Es gibt immer noch einige medizinische Geräte von den Anfängen: Auf dem Dachboden stehen etwa ein 80 Jahre altes Narkosegerät und ein ebenso altes Röntgengerät. „Teilweise funktioniert die Technik noch tadellos“, sagt Breidenbach, der darüber nachdenkt, einige Gegenstände für eine Ausstellung aufzubewahren.

Zwischen altem Sankt-Josef-Stift und neuem JHD Mitte

Doch noch ist Ausräumen angesagt: „Bei den Möbeln sortieren wir kräftig aus. Was wir nicht fürs neue Krankenhaus einlagern, schmeißen wir weg.“ Aussortiertes oder für den Transport Abzuholendes steht in den Fluren des Krankenhauses. Teurere Gerätschaften sind längst, teilweise mit Spezialtransporten, nach Deichhorst gebracht worden. Insgesamt 500.000 Euro kostet der vorübergehende Umzug , mit dem das JHD Millionenbeträge beim Neubau in der City sparen und dessen Bauzeit um drei Jahre verkürzen will. Der Geschäftsführer bahnt sich seinen Weg vorbei an Infusionsständern, Medikamentenwagen, gestapelten Stühlen und an Zimmern mit Patientenbetten, die in Plastikfolien eingehüllt sind. Dann erreicht er die Abbruchkante zwischen der alten Intensivstation und den neuen Operationssälen. Sie symbolisiert das alte St.-Josef-Stift und das neue JHD Mitte.

Nur noch eine Gruppe von Patienten

Vom alten Stift werden lediglich der 2013 eingeweihte OP-Trakt sowie das Bettenhaus an der Westerstraße bestehen bleiben. Die Villa der Geschäftsführung neben dem Gesundheitszentrum wird während der Bauarbeiten bis 2020 zum Baubüro. Rund 400 Mitarbeiter haben das JHD Mitte im Laufe des Umzugs in Richtung Deichhorst verlassen. Breidenbach erzählt über die frühere Station 6 mit 44 Betten, die geräumt wurde; über den neuen Haupteingang mit großer Glasüberdachung – und über die 250 Rechnern, die für den Standort Deichhorst angeschafft wurden und mit einer komplett neuen Datenbank arbeiten werden. „Die Altdaten bleiben in den Altsystemen. Aber seit 1. Juli fließen alle neuen Daten in das neue System. Jetzt gibt es nur noch eine Gruppe von Patienten. Die des JHD Delmenhorst.“