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Am Wollepark 11-12 Delmenhorster Eigentümerpaar sieht sich Pauschalkritik ausgesetzt

Von Frederik Grabbe | 08.11.2017, 10:25 Uhr

Als Vermieter einer Wohnung in den Problemblöcken Am Wollepark 11-12 war man in den vergangenen Monaten regelmäßiger Kritik ausgesetzt. Zu Unrecht, sagen Isek und Mümin Mercan. Das Ehepaar fühlt sich einer Pauschalkritik über gierige Vermieter ausgesetzt.

„Gierige Vermieterschaft.“ Das war der Begriff, den am vergangenen Mittwoch Oberbürgermeister Axel Jahnz verwendete, als er vor zahlreichen Pressevertretern die Schließung der beiden Wohnblöcke Am Wollepark 11 und 12 verkündete. Neben Jahnz und dem Gewühl aus Journalisten standen Isek (51) und Mümin Mercan (67). Das Ehepaar gehört zu ebenjener Gruppe der Eigentümer, die in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit mehrfach gescholten worden ist. „Nicht so korrekt“ fand Isek Mercan Jahnz‘ Worte – auch wenn er einige Sätze später seine Pauschalkritik abmilderte. Denn in ihren Augen und denen ihres Mannes „können nicht alle Vermieter in einen Topf geworfen werden“.

„Ich war in die Wohnung verliebt“

Die Geschichte der Mercans mit ihrer Wohnung beginnt 1996. Damals kaufte das Paar eine Wohnung im fünften Stock im Block Nummer 11 für 122.000 Mark. Bis 2005 lebte das Paar selbst dort und zog dort drei Kinder groß. 2005 vergrößerte sich die Familie räumlich, seit 2006 vermietete sie die Wohnung. „Ich war in sie verliebt, sie war schön geschnitten, innenstadtnah, Kita und Einkaufsmöglichkeiten lagen um die Ecke – auch wenn es immer schon problematisch in der Gegend war“, spielt Isek Mercan auf soziale Spannungen im Quartier an. Die Probleme mit der Hausverwaltung, die die Hausgelder der Eigentümer nicht in den Erhalt der Gebäude investierte, begannen ihrer Beobachtung nach schon um das Jahr 2000.

Eigentümer sehen sich selbst als Betrogene

„Die Ecke verkam immer mehr, für uns war es immer schwieriger, ordentliche Mieter zu finden“, sagt die 51-Jährige. Weil auch unter den nachfolgenden Hausverwaltungen nichts passierte, habe die Zahlungsbereitschaft der Vermieter an die Hausverwaltung immer mehr abgenommen. „Die Gebäude sind immer weiter heruntergekommen. „Am Ende hat die Hälfte der Vermieter kein Geld mehr an den Verwalter bezahlt“, sagt Isek Mercan. Sie und ihr Mann gehörte zur Gruppe, die weiter zahlten. „Aber eine Besserung ist nicht eingetreten.“ Darum sieht sich die Familie selbst als betrogen an. Nicht von Mehmet Erdem, unter dem der Gas- und Wasserstopp ausgeführt wurde, sondern von den Hausverwaltungen, die am Anfang der Fehlentwicklung standen. Und das Paar sieht sich auch auf der Gegenseite von den berüchtigten Eigentümern, die zuletzt Nebenkosten ihrer Mieter nicht weitergeleitet haben sollen, um sich so zu bereichern.

Familie habe Wohnung erst 2016 renoviert

Aktuell – man mag es angesichts des maroden Außenzustands der Wohnblöcke kaum glauben – sei der Zustand ihrer Wohnung gut. „Wir haben 2016 erst renoviert und Geld in neue Möbel und einen Kühlschrank gesteckt“, sagt Isek Mercan. Seit Januar 2017, also schon seit vor dem Beginn des Gas- und Wasserstopps, erhalten die Eigentümer keine Miete mehr, seit Juli steht die Wohnung leer. Mit der ehemaligen Mieterin liegt die Familie im Streit vor Gericht.

„Soll unser Eigentum verschenken?“

Wie könnte nun eine Lösung für die Mercans aussehen? Das Angebot der Stadt an alle Eigentümer, die Wohnungen als Gesamtes für den Verkehrswert von 5700 Euro pro Wohnung zu kaufen, haben die Mercans ausgeschlagen. 110.000 Euro fordern die Stadtwerke wegen nicht gezahlter Gas- und Wassernebenkosten von den Eigentümern, 864 Euro betrage der Anteil der Mercans dieser Schuld. Dazu könnten Kosten für die von der Stadt eingerichteten, 170.000 Euro teuren Brandwache kommen – die die neue Hausverwaltung allerdings notfalls gerichtlich abwehren will. „Sollen wir unser Eigentum verschenken?“, fragt Isek Mercan.

Nur ein Weg aus der Misere kommt infrage

Der einzig gangbare Weg, der sich für die Familie derzeit auftut, ist der, den Matthias Volkmer, Immobilienmakler aus Bremen und neuer Hausverwalter der mittlerweile geschlossenen Wohnblöcke, einschlagen will – auch wenn das wieder Kosten bedeutet: Überweisen die Eigentümer der 80 Wohnungen in den kommenden drei Jahren 200 Euro im Monat an ihn, will er damit peu à peu Schulden und bauliche Mängel tilgen sowie die Gebäude sanieren. Wie Volkmer auf Nachfrage bestätigt, steht dieses Vorhaben immer noch. Das größte Vertrauen in Hausverwalter habe sie zwar nicht mehr, sagt Isek Mercan, eine ernsthafte Alternative sei für sie und ihren Mann aber nicht in Sicht.