Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Am Wollepark 11-12 Räumung der Delmenhorster Problemblöcke steht so gut wie fest

Von Frederik Grabbe | 29.09.2017, 20:10 Uhr

Am 1. November sollen die Wolleparkblöcke 11-12 definitiv geschlossen werden. Nach einer entsprechenden Willenserklärung der Stadt geht nun auch der neue Hausverwalter von einer Räumung aus. Dieser will allerdings die Kosten für die von der Stadt eingerichteten Brandwache nicht tragen.

Die Wohnblöcke am Wollepark 11 und 12 werden ab November mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entmietet sein. Nach der Mitteilung der Stadt, die vom Wasser und Gas abgeschnittenen Blöcke ab 1. November für unbewohnbar erklären zu wollen, kündigte der neue Hausverwalter, der Bremer Immobilienmakler Matthias Volkmer, auf Nachfrage an, bis dahin die beklagten Baumängel nicht beheben zu können.

„Werden bis 1. November nicht in der Lage sein, Mängel zu beheben“

„Am 1. November ist Schluss mit lustig“, sagte Volkmer. „Wir werden nicht in der Lage sein, bis dahin die Argumente der Stadt vom Tisch zu wischen. Eine Wohnnutzung ist einfach nicht möglich.“ Die Gespräche mit der Stadtverwaltung am Donnerstag über die Zukunft der Blöcke bezeichneten Volkmer wie Stadtsprecher Timo Frers als „konstruktiv“. Wie berichtet, hat die Stadt in den beiden Gebäuden eine Brandwache eingerichtet, die dafür sorgt, dass Rettungswege nicht mit Möbeln, Sperrmüll oder dergleichen verstellt sind. Fachbereichsleiter Bauen, Fritz Brünjes, hatte gegenüber dem dk unlängst erklärt, dass diese Wache der alleinige Grund sei, dass die Blöcke überhaupt noch bewohnt werden dürften. Diese kostet die Stadt in der Woche laut Brünjes 10.000 Euro. Zwischen dem Start am 3. Juli und dem 1. November liegen 18 Wochen. „Die Kosten dafür werden den Eigentümern auferlegt“, hatte die Verwaltung im Juli mitgeteilt.

Hausverwalter will Kosten für Brandwache nicht tragen

Allerdings will der Eigentümervertreter Volkmer diese Kosten nicht tragen. „Wir werden prüfen lassen, ob eine Umlage überhaupt rechtens ist.“ Unklar sei etwa, ob es überhaupt eine Ankündigung dieser Kostenübernahme seitens der Stadt an den früheren Hausverwalter gegeben habe. Volkmer bekräftigte seine Absicht, gemeinsam mit den Eigentümern innerhalb von zwei Jahren die Schulden durch aufgelaufene Nebenkosten von zuletzt 110.000 Euro zu begleichen, die Blöcke, schrittweise zu sanieren und Mängel zu beheben. Eine detaillierte Kostenaufstellung werde ihm im Laufe der kommenden Woche vorliegen, so der Verwalter.

Mieten bleiben aus

Das Projekt Sanierung steht und fällt allerdings mit der finanziellen Lage der Eigentümer – und hier ist der Druck noch immer hoch: Volkmer, der selbst eine Wohnung in den Blöcken besitzt, sagte, dass Mieten mittlerweile gar nicht mehr bezahlt werden – was zum Teil mit der Anweisung der Stadt an das Jobcenter zu tun hat, dies zu unterlassen. Zwischendurch hatte die Diakonie noch berichtet, dass einige Wohnungseigentümer Druck auf die Mieter ausübten und die Mieten in bar eintrieben.

„Kaufangebote der Stadt nicht angemessen“

 Kaufangebote der Stadt, die den Komplex abreißen will, zum Verkehrswert für um die 5000 Euro pro Wohnung lehnen Volkmer sowie weitere Eigentümer weiterhin ab. Einige Wohnungen, wie seine eigene, seien kürzlich erst renoviert worden, „ernsthafte Angebote werden wir einzeln prüfen“, so der Verwalter. Auf die Frage, wie gut er die Chancen einschätze, dass sein Vorhaben gelingen könnte, sagte Volkmer: „Wenn jeder Eigentümer in den kommenden drei Jahren im Monat 200 Euro zur Seite zu legt, stehen die Chancen bei 100 Prozent.“

Keine Entscheidung beim Kauf der Blöcke 13-14

Volkmer selbst ist erst seit dem 12. September Hausverwalter. Ein Versuch, ihn im August als Notverwalter beim Amtsgericht Delmenhorst einzusetzen, war seinen Angaben nach gescheitert. Laut Volkmer ist er nun von 47 Eigentümern einstimmig gewählt worden. „Alle sind sich einig, dass mein vorgelegtes Sanierungskonzept ein alternativloser Weg ist.“

Offiziell sind in den Gebäuden 150 Personen gemeldet, tatsächlich sollen laut Stadt dort aber weniger Menschen leben.

 Wie berichtet, versucht die Stadt auch, die Blöcke Am Wollepark 13-14 zu kaufen, für die sie ein Vorkaufsrecht hat. Ein Angebot von 700.000 Euro wurde abgelehnt. Über eine angemessene Summe hat das Oberverwaltungsgericht Oldenburg laut Stadt noch nicht entschieden.