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Amtsgericht Delmenhorst Bewährung nach Betrug und Insolvenzverschleppung

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 27.07.2016, 18:11 Uhr

Ein Wirtschaftsingenieur aus Großenkneten wurde vom Amtsgericht Delmenhorst zu zwei Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Der Unternehmer wurde wegen mehrfachem Betrug und Insolvenzverschleppung angeklagt.

Ein Wirtschaftsingenieur aus Großenkneten muss sich gleich zwei Strafen in nur einem Urteil beugen – und darf sich doch glücklich schätzen. Denn das Amtsgericht Delmenhorst um den Vorsitzenden Richter Marco Rüdebusch hat die beiden Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt. Konkret hat das Gericht den 39-jährigen Angeklagten gestern wegen 18-fachen Betrugs zu zwei Jahren verurteilt und wegen Insolvenzverschleppung zu vier Monaten. Außerdem muss er als Bewährungsauflage 3000 Euro an soziale Einrichtungen zahlen.

Schaden von bis zu 4400 Euro bei mehrfachem Betrug

Vorausgegangen war dem Urteil ein Rechtsgespräch zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht, das Zeugenaussagen überflüssig machte. Der Angeklagte zeigte sich geständig. Zunächst vom oberfränkischen Bayreuth, später von Delmenhorst aus hatte er eine Sportartikel-Versand-Firma unterhalten. Von März 2013 bis August 2014 kassierte er in 18 Fällen Geld für bestellte Ware, die er indes nie lieferte, etwa Polo-Shirts und Golfschläger. Den hierbei entstandenen Gesamtschaden bezifferte das Gericht gestern auf 4300 bis 4400 Euro. Außerdem hat der Angeklagte die Insolvenz seiner Firma nach Auffassung der Staatsanwaltschaft um mehr als ein Jahr zu spät angemeldet.

„Geldnot“ als Grund für Betrug

Letzteres charakterisierte Rüdebusch in seiner Urteilsbegründung als „typisch“ für Firmeninhaber, deren Eltern ihrerseits erfolgreiche Unternehmer seien: die Schamgrenze spiele hier offenbar eine entscheidende Rolle. Tatsächlich räumte der Angeklagte ein, dass er sich sein Scheitern schlicht nicht habe eingestehen wollen. Für die Betrugsdelikte nannte er „Geldnot“ als Grund.

Angeklagter bereits vorbestraft

Theoretisch hätte die Staatsanwaltschaft die Insolvenzverschleppung des Unternehmers bereits mitanklagen können, als sich dieser im Juli 2014 wegen einer Sexualstraftat vor dem Amtsgericht Wildeshausen verantwortete und schließlich zu einer eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden ist. Da dies damals jedoch nicht geschehen ist, hat das Amtsgericht Delmenhorst die Strafe für diese Insolvenzverschleppung nun gesondert verhängt.