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Amtsgericht Delmenhorst Delmenhorster Online-Betrüger werden verurteilt

Von Vincent Buß | 14.12.2018, 16:42 Uhr

Mit Anfang 20 sind zwei Delmenhorster bereits in 34 Betrugsfällen angeklagt worden. Nun wurden sie vom Amtsgericht Delmenhorst verurteilt.

Als er eine Mahnung für eine Rechnung über 500 Euro bekommen habe, habe er sich gewundert, berichtete ein Delmenhorster, der als Zeuge zum Prozess vor dem Amtsgericht geladen war. Weder die angegebene E-Mail-Adresse noch die Telefonnummer seien seine gewesen. Dass er einem Betrug zum Opfer gefallen war, lag wohl daran, dass er einen der Angeklagten kannte, wenn auch nur flüchtig.

Angeklagte nutzten Lücke im System

Dieser Fall war die typisch für den Online-Betrug der beiden Angeklagten. Die beiden 1995 geborenen Männer bestellten im Internet Waren – vor allem Lebensmittel aber auch Elektrogeräte und sogar einen Whirlpool – und ließen sich diese ausliefern an Wohnungen, auf die sie Zugriff hatten. Sie nutzten laut Polizei dabei den Umstand aus, dass die Ware bei Online-Händlern wie Rewe auf Rechnung gekauft werden kann.

Also dachten sie sich laut falsche Kombinationen aus Namen und Anschriften aus, teilweise erfanden sie wohl sogar Personen. Auf die Schliche kam die Polizei den beiden dann doch über ihre Bestelldaten, als die Online-Händler Anzeige erstatteten. Im Zeitraum von Mai 2016 bis September 2017 bestellten sie laut Anklage Waren im Wert von insgesamt fast 5400 Euro.

Das trieb die Männer an

Während die Richterin die lange Liste an Betrugsfällen vorlas, gestanden die beiden Delmenhorster einige Taten, versuchten teilweise aber auch, sich zu rechtfertigen. Der Eine dachte etwa nach eigenen Angaben, er könnte die Waren bezahlen – verlor jedoch dann seinen Job. Außerdem sei er zwischenzeitig wohnungslos gewesen. Beide sagten, dass finanzielle Sorgen sie angetrieben hätten. „Was macht man nicht alles für ein bisschen Geld?“, fragte der Andere.

Die Probleme hätten zugenommen, sagte er außerdem, als seine Wohnung im Oktober 2015 abgebrannt sei. „Ich kam danach psychisch nicht mehr mit“, erklärte der Angeklagte. Er habe seinen Job verloren und sei seitdem arbeitslos. Sein Betreuer vom Jobcenter, der während der Verhandlung ebenfalls anwesend war, legte ein gutes Wort für seinen Klienten ein. „Er will alles selbst machen“, erklärte er dessen Beweggründe. Er verwies auch auf die Lebensumstände seines Klienten: In Düsternort gebe es viele soziale Probleme.

Schuldzuweisung gescheitert

Der Verteidiger wollte sogar noch einen Schritt weitergehen und einem Bekannten seines Mandanten Schuld zuweisen, doch das ging nicht auf. Als er ihm eine Vorlage bot, indem er fragte, warum er sich überhaupt für Betrug entschieden habe, um Geld heranzuschaffen, antwortete der Angeklagte: „Weil es einfacher ist.“ „Nein“, sagte der Verteidiger energisch. Weil ihn sein Bekannter dazu angestiftet habe, legte der Verteidiger nahe. „Ich sehe das aber nicht als Verringerung meiner Schuld an“, sagte der Angeklagte demütig. „Ich bemühe mich, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen“, erklärte er außerdem. Sein Komplize hatte bereits wieder einen Job.

Das schien die Richterin zu überzeugen. Unter anderem, weil die beiden Angeklagten eine gute Entwicklung genommen hätten, wurden sie zu jeweils 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem ließen sich nicht alle Taten nachweisen. Letztendlich wurden sie in 20 Betrugsfällen als gemeinsame Täter überführt, dazu kamen eine beziehungsweise fünf Einzeltaten.