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Amtsgericht Delmenhorst legt Jahresbilanz vor Zahl der Strafverfahren nimmt in Delmenhorst zu

Von Marco Julius | 23.03.2017, 14:47 Uhr

Leichte Zunahme an Strafverfahren gegen Erwachsene, Rückgänge im Insolvenzbereich: Das Amtsgericht zieht Bilanz.

Von „zwar nur relativ geringen Veränderungen“ spricht Hanspeter Teetzmann, Leiter des Amtsgerichtes Delmenhorst mit Blick auf die Jahresbilanz 2016, dennoch ließen sich manche Tendenzen, die bereits in den vergangenen Jahren deutlich wurden, herauslesen. Erstaunlich seien etwa folgende Zahlen: Im Jahre 2004 gab es 165 neue Anklagen beim Jugendschöffengericht und insgesamt 576 beim Jugendrichter. 2016 waren es nur noch 33 Verfahren vor dem Jugendschöffengericht und 192 vor dem Jugendrichter. „Auch gegenüber dem Vorjahr stellt dies einen Rückgang dar, denn 2015 waren es 40 beziehungsweise 216 Verfahren“, berichtet Teetzmann. Bei den Strafverfahren gegen Erwachsene gab es im vergangenen Jahr leichte Zunahmen: Statt 467 Verfahren beim Strafrichter (2015) sind es 2016 505 gewesen. Dazu kommen– als Anklagen mit dem weitergehenden Strafvorwurf – 58 Verfahren beim Schöffengericht statt 45. „Vergleicht man diese Zahlen etwa mit 2004, gab es damals 658 Verfahren vor dem Strafrichter und 88 vor dem Schöffengericht“, sagt Teetzmann.

Zahl der Insolvenzen gesunken

Ebenfalls sehr beachtlich sei der Rückgang der Verbraucherinsolvenzverfahren. „Über Jahre hinweg lagen die Zahlen in Delmenhorst weit über dem Durchschnitt. 2005 etwa gab es 488 neue Verbraucherinsolvenzverfahren. Dagegen sank 2016 die Zahl erstmals seit 2003 unter 300 Verfahren, nämlich auf 288“, verdeutlicht der Amtsgerichtsdirektor.

Mit 106 statt 109 Insolvenzverfahren betreffend Selbstständige und 89 statt 75 Insolvenzverfahren juristischer Personen habe sich die Zahl der Anträge bei den Regelinsolvenzverfahren insgesamt nur wenig verändert. Die gute Wirtschaftslage zeige sich auch in der Zahl der Verfahren im Bereich der Zwangsversteigerungen und Zwangsverwaltung von Grundstücken. „Lediglich 64 Zwangsversteigerungsanträge gab es 2016. Im Vergleich dazu waren es 2015 sogar nur 47. Daneben sank die Zahl der Zwangsverwaltungsverfahren erneut.

Gaspreisstreit wirkt sich aus

Die lebhaftere Entwicklung auf dem Grundstücksmarkt werde bei den Zahlen des Grundbuchamtes sichtbar: Nach 2657 Anträgen auf Begründung und Veränderung von Eigentum in 2015 sind dies jetzt 2795. Zum Vergleich: Nach der Weltwirtschaftskrise 2009 waren es nur 2314 Vorgänge.

In Zivilsachen wurden 2016 1422 Verfahren gezählt (2015: 1408). „Während in anderen Amtsgerichten die Zahl häufig zurückgegangen ist, sind in den Zahlen für Delmenhorst die zahlreichen Verfahren enthalten, die Streitigkeiten zwischen den Stadtwerken und deren Kunden hinsichtlich der Gaspreiserhöhungen seit 2005 betreffen“, sagt Teetzmann.

Weniger Scheidungen als im Vorjahr

Die Familienabteilung meldet weniger Scheidungen (251 statt 275) und mehr Sorge- und Umgangsrechtsverfahren (445 statt 370). Dort mache sich die hohe Zahl minderjährige unbegleiteter Flüchtlinge bemerkbar. So viele Vorgänge wie noch meldete das Nachlassgericht. 1660 Akten mussten neu angelegt werden, wobei es in 778 Fällen um Testamente ging. 2015 waren es 1404 Vorgänge gewesen.