Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Amtsgericht Delmenhorst urteilt Internetbetrügerin mit Bewährung davongekommen

Von Dirk Hamm | 19.04.2018, 18:14 Uhr

Haarscharf an einer Haftstrafe ist eine 27-jährige Frau vorbeigeschrammt, die sich vor dem Amtsgericht Delmenhorst wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten musste.

Ein Jahr und elf Monate mit einer Bewährungszeit von fünf Jahren, dazu eine Arbeitsauflage von 300 Stunden, so lautete am Donnerstag das Urteil des Schöffengerichts gegen die Delmenhorsterin. Ihr war vorgeworfen worden, in elf Fällen im Jahr 2016 Geld für Waren kassiert zu haben, die sie zum Schein auf Internetportalen, hauptsächlich bei Ebay, zum Verkauf stellte.

Weitere Bewährungsurteile lagen schon vor

Die so ergaunerte Gesamtsumme beläuft sich auf 2486 Euro. Allein mehr als 1300 Euro hatte ein geprellter Käufer hingeblättert, im Glauben, von der vermeintlichen Anbieterin elf lebende Welse zu erwerben.

Die Angeklagte war zuvor bereits 2014 in Wilhelmshaven wegen des Erschleichens von Waren im Internet und in diesem Jahr ebenfalls in Wilhelmshaven sowie in Bad Iburg wegen ähnlichen Vorwürfen wie die am Donnerstag verhandelten jeweils zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zwischenzeitlich hatte sie sich zwei Haftbefehlen durch Flucht entzogen.

Angeklagte räumt Taten ein

Inzwischen nach Delmenhorst gezogen und schwanger, stellte sie sich 2017 der Justiz. Sie wolle reinen Tisch machen und ihr Leben in den Griff bekommen, beteuerte die Beschuldigte mehrfach, teils unter Tränen. Sie räumte alle ihr zur Last gelegten Taten ein.

Die 27-Jährige schilderte ihren Lebensweg in den vergangenen zehn Jahren als ein dramatisches Abrutschen in die Selbstisolation, ausgelöst durch den Tod des Vaters, ihres wichtigsten Bezugspunkts, und die Zurückweisung durch die Mutter. Außer Essen und Schlafen habe ihr Leben sich ausschließlich um den Computer gedreht, sie sei spielsüchtig gewesen. Ohne Ausbildung und Job sei es unmöglich geworden, die Miete zu bezahlen.

Staatsanwaltschaft beantragt Haftstrafe

Angesichts der schon ergangenen Urteile sah die Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit einer Bewährungsstrafe, beantragt wurden drei Jahre Haft. Das Gericht blieb hingegen gerade noch in dem Strafrahmen, der eine Aussetzung zur Bewährung ermöglicht. „Bei Ihnen muss sich etwas ändern“, schrieb Richter Holger Jurisch der Angeklagten ins Stammbuch. Er machte unmissverständlich klar, dass er nicht zögern werde, bei einem Verstoß gegen die Bewährungs- und Arbeitsauflagen die Haft anzuordnen.