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Amtsgericht Delmenhorst Verbotenerweise Diesel aus Firma abgezweigt

Von Alexander Schnackenburg | 18.05.2016, 16:34 Uhr

Das Amtsgericht Delmenhorst hat jetzt einen Kraftfahrer wegen Unterschlagung zu Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Den Schaden, welchen ihm sein Angestellter zwischen März 2012 und März 2013 zugefügt hatte, konnte der Spediteur aus Stuhr letztlich genauer beziffern, als ihm lieb war: Dank der Telematik seiner Laster, jener Software, mit welcher sich nicht nur das Fahrverhalten, sondern eben auch der Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge, beziehungsweise ihrer Fahrer überprüfen lässt. Nachweislich über 6000 Liter Diesel hatte der Angeklagte nach und nach aus den Tanks der Firmenfahrzeuge in der heimischen Garage für sich abgezweigt, zehn Einzelfälle konnte ihm die Staatsanwaltschaft am Mittwoch vor dem Amtsgericht Delmenhorst nachweisen. Das Schöffengericht um den vorsitzenden Richter Marco Rüdebusch verurteilte den Angeklagten daher zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung wegen Unterschlagung in zehn Fällen. Genau diese Strafe hatten zuvor Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragt.

Aufzeichnungen der Software unbestechlich

Hatte der Angeklagte, ein 49-jähriger Delmenhorster, zunächst nur die Taten an sich, nicht aber die Menge des entwendeten Kraftstoffs eingeräumt, so erwiesen sich die Aufzeichnungen durch die Software des Geschädigten vor Gericht als unbestechlich. Mithilfe dieser Daten konnte die Staatsanwaltschaft exakt nachweisen, wann der Kraftfahrer aus welchem LKW und an welchem Ort wie viel Diesel abgezweigt hatte, um das Fahrzeug anschließend mit Tankkarten seines Arbeitgebers wieder aufzutanken: ein auch deswegen alles andere als unauffälliges Verhalten, weil auf dem Hof seines Arbeitgebers eine Betriebstankstelle steht – eben damit die Fahrer der Spedition die Kraftstoffausgaben in Grenzen hielten.

Geld für Spielsucht benötigt

Es tue ihm leid, bekräftigte der wegen einiger kleinerer Delikte vorbestrafte Angeklagte vor Gericht. Offenbar hatte er das Geld benötigt, um seiner Spielsucht nachzukommen. Er habe eine schreckliche Zeit hinter sich mit einer Privatinsolvenz und „Streit ohne Ende zu Hause“ sowie dem Suizid seines Sohnes als tragischem Höhepunkt. Diesen Schicksalsschlag nehme er als Strafe Gottes und wolle sich nie wieder etwas zuschulden kommen lassen.