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An der Nutzhorner Straße Kind einer Zahnarztfamilie eröffnet Praxis in Delmenhorst

Von Kai Hasse | 15.09.2017, 17:12 Uhr

Eine neue Zahnarztpraxis eröffnet im Stadtteil Ströhen. Viele Bewohner haben das erhofft. Die junge Zahnärztin Yuliya Fialkovska siedelt sich an. Erste Erfahrungen hat sie mit acht Jahren gemacht.

Eine neue Zahnarztpraxis wird am kommenden Montag im Stadtteil Ströhen eröffnen. Eine Ankündigung in sozialen Netzwerken wurde bereits überschwänglich begrüßt. Die Zahnärztin, Yuliya Fialkovska, stammt aus einer erstaunlichen Zahnarzt-Familie.

Inmitten des Versorgungszentrums

Der Vater ist Zahnarzt, der Großvater auch. Ebenso die Schwester – und die Cousins und Cousinen. „Es ist pathologisch in unserer Familie“, sagt die 34-Jährige. Sie selbst hatte bereits mit vier Jahren gesagt, sie wolle Zahnärztin werden. Jetzt, 30 Jahre später, eröffnet sie ihre eigene Praxis in Räumen, in denen vorher Dr. Meric Prause praktizierte. An der Nutzhorner Straße, über einem Supermarkt, neben Apotheke und Heilpraktiker – ein kleines Versorgungszentrum innerhalb des Stadtteils an der Kreuzung zur Dwoberger Straße. Zwei Jahre zuvor hätten die Räume leer gestanden.

Zahl der Zahnärzte in Delmenhorst sinkt

Fialkovska wirkt damit einem sinkenden Trend in der Zahl der Zahnärzte in Delmenhorst entgegen. In den frühen Nuller-Jahren um 2003 bis 2005 gab es fast 70 Zahnärzte in der Stadt. Seitdem geht der Trend konstant abwärts: 2016 waren es nach Statistiken der Stadt nur noch 42. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen liege der zahnmedizinische Versorgungsgrad in Delmenhorst bei rund 90 Prozent. Das sei ein sehr guter Wert. Die junge Ärztin ist dennoch guter Dinge. Sie hat vier Mitarbeiter eingestellt, davon einen Azubi, und hat keine Angst vor möglicherweise ausbleibenden Patienten: „Die ersten zwei Wochen sind bereits voll mit Terminen“, sagt sie.

Eigene Milchzähne mit 8 Jahren gezogen

Bereits in ihrer ursprünglichen Heimat Ukraine hatte Fialkovska als Assistenzärztin gearbeitet – zusammen mit ihrem Vater. Der hatte bereits gestaunt, als seine Tochter etwa acht Jahre alt war: Ihre Milchzähne kamen raus. Dabei machte sie kein Spiel daraus, wie andere Kinder, mit einem Faden und einer zugeschlagenen Tür. Das Mädchen, durch die Familie mit den zahnärztlichen Gerätschaften vertraut, nahm sich eine Zahnarzt-Zange und – zog sich selbst die Zähne. Was den Vater erstaunte: Sie nahm für die Schneide- oder Backenzähne selbstständig die entsprechend dazugehörigen Zangen. Das erzählt sie mit einer Mischung aus Stolz und etwas Scheu. Sie wird nicht immer sofort die Zange holen wollen: „Ich kämpfe um jeden Zahn, dass er erhalten und schön bleibt.“.

„Kinder sind ehrliche Patienten“

Die neue Praxis soll erklärtermaßen eine Familien-Zahnarztpraxis sein. Sie genießt die Behandlung der Kleinen. „Sie sind sehr ehrlich. Und wenn man ihnen alles genau erklärt, haben sie auch keine Angst“, erklärt sie. Das sei übrigens bei Erwachsenen sehr ähnlich: Erklären hilft gegen Angst vor Schmerzen.

Den Betrieb aufnehmen wird sie am Montag. Bereits heute ab neun Uhr ist eine Eröffnungsfeier mit Besichtigung und Tombola in der Nutzhorner Straße 29.