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Anbau in eigener Wohnung Cannabis-Besitz: Delmenhorster zu Haftstrafe verurteilt

Von Britta Buntemeyer | 11.06.2015, 18:43 Uhr

Wegen Besitzes von Cannabis in nicht geringen Mengen ist am Donnerstag ein 38-jähriger Delmenhorster vom Schöffengericht zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung ist möglich.

Drogen mit hohem Wirkstoffgehalt

Bei einer Wohnungsdurchsuchung hatte die Polizei am 3. April vergangenen Jahres insgesamt 156,17 Gramm Marihuana mit einem hohen THC-Gehalt in der damaligen Wohnung des Angeklagten gefunden. Nachbarn hatten einen auffälligen Geruch festgestellt, zudem lag wenige Tage zuvor ein Fall von Ruhestörung vor.

Laut Anklageschrift befand sich das Marihuana in mehreren Film- sowie Tupperdosen, eine lose Menge fand sich zudem auf einem Tisch. Im Badezimmer fanden Kriminalkommissar und Kollegin zudem Materialien zum Cannabis-Anbau: unter anderem eine Dampflampe, einen Trafo und schwarze Folie zum Abkleben des Fensters. Der Angeklagte, habe bei der Wohnungsdurchsuchung sofort zugegeben, Marihuana zu besitzen. Außerdem wurden 30 Flaschen mit Whiskeysorten gefunden.

Widersprüchliche Aussagen

Vor dem Schöffengericht gab er an, Cannabis aus gesundheitlichen Gründen zu konsumieren, da er seit seiner Geburt unter einer Spastik leide. Die Hanfpflanze lindere seine Beschwerden. Laut Gericht hatte der Angeklagte bei der Befragung in seiner Wohnung angegeben, unter Rückenschmerzen und Depressionen zu leiden. Ein damaliger Nachbar hatte zu Protokoll gegeben, der Angeklagte habe ihm gegenüber erklärt, selbst Cannabis zu rauchen, um den Selbstmord eines Freundes zu verarbeiten. Auf die Frage des Nachbarn, wie sich der Angeklagte seine Vorliebe für besondere Whiskeysorten finanzieren könne, habe dieser gesagt, er verkaufe ab und zu geringe Mengen Marihuana.

Kein Handel nachgewiesen

Ein Handel mit Marihuana konnte dem 38-jährigen arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger vom Gericht jedoch nicht nachgewiesen werden. Vielmehr habe es sich um gelegentliche Freundschaftsdienste gehandelt. Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsverkündung von einem „absoluten 0815-Fall“ und einem „Standardfall“. Der Angeklagte habe einen eigenen Nutzen aus seinem Marihuana-Anbau ziehen wollen, von Hartz-IV habe er Cannabis nicht dauerhaft finanzieren können. Weiter sprach der Richter von einem generellen Cannabis-Problem in Delmenhorst.

Angeklagter soll „wieder in Schwung kommen“

Da sich der 38-Jährige kooperativ zeigte und bislang straffrei war, solle das Urteil auch ein Zeichen für ihn sein. Bei einem Verbrechen liege die Mindestfreiheitsstrafe bei einem Jahr, auch die zwei Jahre Bewährung stellten die kürzeste Bewährungszeit dar. Ein Bewährungshelfer werde ihm nicht zugeteilt. Der Vorsitzende Richter hoffe, dass der Angeklagte „wieder in Schwung“ komme, und einen Beruf findet.