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Andreas Vogler investiert kräftig Ein Delmenhorster, der an seine Stadt glaubt

Von Thomas Breuer | 09.09.2017, 13:58 Uhr

Bloße Lippenbekenntnisse sind sein Ding nicht. Der gelernte Banker Andreas Vogler hat über seine Firma Kristensen Invest schon einige City-Immobilien wachgeküsst. Und er hat weitere Objekte im Blick.

Delmenhorst. Es ist noch nicht lange her, da war das Gebäude an der östlichen Langen Straße, in dem heute der „Herrenausstatter“ von Sabine Reinhold ansässig ist, eine ausgediente Volksbank-Filiale mit braunen Teppichen und ungewisser Zukunft. Andreas Vogler nahm auf einer Rundbank davor Platz und steckte sich eine Zigarette an. Eine Frage ging ihm durch den Kopf: „Wie kriege ich da wieder Leute rein?“

Fünfmal in der City fündig geworden

Solche Gedanken hat der gebürtige Bottroper, der seit 1993 in Delmenhorst lebt, öfter. Als geschäftsführender Gesellschafter von Kristensen Invest gilt sein Augenmerk Objekten im nordwestdeutschen Raum, die für die vom Unternehmen aufgelegten Immobilienfonds gute Renditen versprechen. In der Delmenhorster Innenstadt ist Vogler, Jahrgang 1963, dabei schon fünfmal fündig geworden.

Keine Selbstverständlichkeit. Als er das Volksbank-Gebäude im Visier hatte, wurde, gelinde gesagt, Vogler der Vogel gezeigt von seinem Geschäftspartner in Berlin: Eine solche Investition in Delmenhorst, ist das wirklich nötig?

Gerade lässt er von außen einen Fahrstuhl anbauen

Inzwischen sieht auch der Berliner Kollege Uwe Pempel die Chancen und glaubt, wie Vogler, an eine wieder aufstrebende Innenstadt. Er war es sogar, der später anregte, sich doch einmal mit dem früheren Többens-Haus an der Langen Straße/Ecke Parkstraße auseinanderzusetzen. Das Folgende wurde schon mehrfach berichtet: Kristensen Invest erwarb das Haus und wertet es seitdem baulich auf. Im unteren Teil profitiert davon das Modegeschäft Mai Anh, darüber ist inzwischen die Barmer Krankenkasse eingezogen. Gerade lässt Vogler an den hinteren Teil des Gebäudes aufwendig einen Fahrstuhl anbauen, um den Bedürfnissen der dortigen Kundschaft gerecht zu werden.

Jetzt auch beruflich in der City heimisch

Inzwischen ist die Delmenhorster Innenstadt für den gelernten Bankkaufmann mit anschließendem Fachwirtstudium gar zur beruflichen Heimat geworden. Seit Anfang des Monats residiert Kristensen Invest nicht mehr an der Flughafenallee in Bremen, sondern in einer der markantesten Immobilien an der Langen Straße. Dort, wo früher die Dresdner Bank ihren Sitz hatte, direkt gegenüber dem Eingang zur Hertie-Immobilie.

Einige Jahre ist Vogler nach eigenem Bekunden im Bemühen um das Haus bei den Besitzern immer wieder vorstellig geworden. Schließlich war der Preis für die Leerstandsimmobilie für ihn akzeptabel. Eine hochwertige neue Fensterfront ist gerade im Entstehen – für den neuen Mieter Targobank. Im hinteren Erdgeschoss wird zum 1. Januar 2018 die Kreisgeschäftsstelle der Diakonie einziehen. Darüber sitzt Vogler mit seiner fünfköpfigen Belegschaft – und er hat sich verliebt in die Immobilie. Sie wird, das steht für ihn fest, im Besitz der Gesellschafter bleiben.

Das Invest endet oft nach einigen Jahren

Das gängige Geschäftsmodell von Kristensen ist ein anderes. Objekte werden für geschlossene Fonds erworben und Investoren überzeugt, dass diese sich zu einer renditestarken Anlage entwickeln können. Nach einer gelungenen Sanierung und Neupositionierung beendet Kristensen Invest im Regelfall das Engagement oder reduziert es deutlich.

So auch im Fall der Immobilie, die früher einmal eine Volksbank war. Kristensen Invest hält noch zehn Prozent der Anteile, der große Rest ist auf einen Münchner Großinvestor übergegangen.

Wenn doch alles so glatt liefe, denkt sich Vogler manchmal. Seine Zusammenarbeit mit den Behörden sei gut, sagt er. Manchmal aber fühlt er sich herausgefordert. „In diesem Gebäude haben wir nur eine neue Wand gezogen“, sagt er über seinen neuen Firmensitz. „Durch die Trennung brauchen wir jetzt ein neues Brandschutzkonzept.“ Generell wünscht er sich eine andere Herangehensweise der Ämter: „Ich glaube, dass wir hier am Limit der Belastbarkeit von Investoren arbeiten.“ Mittlerweile sieht er aber auch bei der im konkreten Fall zuständigen Behörde Gesprächsbereitschaft.

Vogler sieht noch mehr.

Guter Hoffnung für Hertie-Immobilie

Etwa, wenn er auf den Betonklotz gegenüber schaut, die alte Hertie-Immobilie, sie seit geraumer Zeit Stillstand vermittelt. Er sieht dort einen Investor Werner Uhde (Deutsche Immobilien Holding), der das Großprojekt schlussendlich wuppen wird. Den Delmenhorstern ruft Vogler lautstark zu: „Unterstützt Herrn Uhde, wo es nur geht!“ Im selben Atemzug macht der Immobilien- und Geldmarktexperte keinen Hehl daraus, dass er sich eine Aufstockung der Parkplatzkapazitäten am Vorwerk wünscht: „Wenn man es vernünftig macht, können da Bäume stehen bleiben.“

Freimütig räumt er ein, sich selbst lange mit Hertie beschäftigt zu haben. „Wir hatten einen Mietermix, aber die Eigenkapitalbindung wäre zu groß gewesen“, sagt Vogler. Und er hatte noch ein anderes Problem: „Was man hier im Vertrauen besprochen hatte, stand am nächsten Tag in der Zeitung.“ Keine Medienschelte, sondern eine Ohrfeige für die damalige Rathausführung.

„Die Stadt kann es nur wegschieben“

Sollte der jetzige Hertie-Investor scheitern, bleiben aus Voglers Sicht nicht viele Optionen: „Wenn die Stadt das übernimmt, kann sie es nur wegschieben.“

Von der Wirtschaftsförderung in Delmenhorst ist Vogler vorbehaltlos begeistert. „Axel Langnau lebt und arbeitet für diese Stadt“, sagt er. Aber auch andere Akteure haben es ihm angetan: „Vor dem, was Christian Hohnholt leistet, kann man sich gar nicht tief genug verneigen.“ Dies gelte sowohl für die von Diva-Bau realisierten Baugebiete, als auch für das zweitägige „FestiDEL“ jüngst auf den Graftwiesen in Verantwortung der Divarena mit Hohnholt als Geschäftsführer. Vogler hat sich über Kristensen Invest bei den Gastspielen von Gregor Meyle und Mark Forster als Sponsor eingebracht und den ersten Abend des Konzertereignisses live erlebt.

Wie könnte die Innenstadt weiter gewinnen?

Bei allem Optimismus, aller Wertschätzung: Wie könnte die Innenstadt weiter gewinnen?

Vogler verweist auf die Waterfront in Bremen-Gröpelingen: „Da gibt es einen erstklassigen Food Court, für den die Leute extra dort hinfahren. Das ist etwas, das Delmenhorst fehlt.“ Um auch anspruchsvolle Werktätige in der Mittagspause zufriedenzustellen, denkt Vogler ernsthaft daran, in seinem freien Objekt neben dem „Herrenausstatter“ selbst etwas zu initiieren: „Einen Rückzugsort mit gutem Essen und einem guten Glas Wein.“

Noch zwei Ankäufe in der City bis Jahresende?

Derweil gehen seine Überlegungen schon weiter: „Ich denke, dass wir bis zum Jahresende noch zweimal in der Innenstadt zuschlagen werden.“ Dabei gibt es gegenwärtig noch genug zu tun in dem ebenfalls erworbenen Gebäude an der Langen Straße 7-9, in dem auch die Deutsche Bank ansässig ist. Dort werden gerade 980 Quadratmeter Bürofläche für den neuen langfristigen Mieter Stadt Delmenhorst hergerichtet.

Der Muskel wird sukzessive wieder aufgebaut

Delmenhorst, das steht für Vogler außer Frage, befindet sich im Aufwind. Um zu illustrieren, wo seine Stadt derzeit steht, gebraucht er das Bild eines Sportlers nach einem Beinbruch: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir uns neue Schuhe kaufen, aber in der Phase, in der wir den Muskel sukzessive wieder aufbauen.“