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Anfänge liegen Ende des 19. Jahrhunderts Delmenhorster Josef-Stift: Mädchenheim als Keimzelle

Von Dirk Hamm | 03.09.2016, 15:55 Uhr

Das St.-Josef-Stift als eigenständiges Krankenhaus ist Geschichte. Ein katholisches Heim für junge Arbeiterinnen war ab 1891 der Vorläufer.

In der Stadtmitte geht mit dem bevorstehenden Abriss großer Teile des früheren St.-Josef-Stifts eine Ära zu Ende , es wird mehr als nur ein Kapitel Krankenhausgeschichte zugeschlagen. Verwaist sind die Flure des nunmehrigen Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) Mitte. Betagte Apparate wie ein 80 Jahre altes Narkosegerät, das auf dem Dachboden steht, sind Überbleibsel der bis in die 1890er Jahre zurückreichenden Geschichte des katholischen Hauses. In den kommenden Jahren wird es größtenteils einem Neubau weichen.

Heim für Arbeiterinnen in der Villa eines Korkfabrikanten

Am 27. Februar 1931 erteilte die Landesregierung in Oldenburg die Betriebsgenehmigung für das Krankenhaus St.-Josef-Stift. Krankenpflege fand an dem Standort jedoch schon viel früher statt: 1891 hatten sich drei Ordensfrauen aus der Kongregation der Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth in Delmenhorst niedergelassen. Sie kümmerten sich unter dem Dach der katholischen Volksschule am Westergang um die vielen ledigen jungen Mädchen, die von den neuen Fabriken in der Stadt angeworben worden waren. Zwei Jahre später erwarb die noch junge katholische Gemeinde der Stadt die Villa des Korkfabrikanten Wieting an der Westerstraße. Darin wurde nun das Arbeiterinnenheim eingerichtet, und von Anfang an gehörte auch die Krankenpflege zum Profil dieser Keimzelle des späteren Krankenhauses. Bereits damals wurde das Haus Josef-Stift genannt. (Weiterlesen: Altes Josef-Stift zieht nach Deichhorst)

Bettenzahl steigt von fünf auf 15

Fünf Krankenbetten standen zunächst in dem Arbeiterinnenhospiz zur Verfügung. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Zahl der Arbeiterinnen, die in dem Heim Obdach suchten, sank, gewann die Krankenpflege in der Arbeit der Ordensschwestern immer mehr an Bedeutung. Die Bettenzahl wurde auf 15 erhöht, aber viel weiter reichende Ausbaupläne stießen beim Magistrat der Stadt auf Ablehnung.

Unliebsame Konkurrenz für städtische Krankenanstalten

Auch 1931, nachdem das St.-Josef-Stift baulich so verändert worden war, dass es die Konzession als Krankenhaus von der Landesregierung erhalten konnte, war man seitens der Stadt nicht erbaut. Denn in einem kirchlichen Haus, das jetzt über 45 Betten verfügte, wurde eine unliebsame Konkurrenz für die 1928 eröffneten Städtischen Krankenanstalten an der Wildeshauser Straße gesehen.

Schikanen im Dritten Reich

Während der Zeit des Nationalsozialismus sah sich das St.-Josef-Stift vielfältigen Schikanen ausgesetzt. 1939 konnte eine Übernahme durch die Stadt abgewendet werden. Angesichts der Existenzbedrohung stellte Pfarrer Wilhelm Niermann das Josef-Stift 1941 der Wehrmacht als Lazarett zur Verfügung.

Letzten Grauen Schwestern verlassen 1980 das Stift

Erst nach der Wiederaufnahme des Krankenhausbetriebs im Mai 1946 konnte sich das katholische Krankenhaus gegenüber dem Klinikum etablieren. In mehreren Schritten wurde zwischen 1950 und 1967 eine komplette bauliche Neugestaltung und Modernisierung vollzogen. Die letzten Grauen Schwestern, die über viele Jahre den familiären Geist des Hauses prägten, wurden aus Altersgründen 1980 abgezogen.