Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Angehende Azubis in Delmenhorst Auf ein kurzes Gespräch mit dem künftigen Chef

Von Frederik Grabbe | 26.09.2017, 16:12 Uhr

Schlag auf Schlag ging es am Dienstag beim Speed-Dating in der BBS II. In Zehn-Minuten Gesprächen sollten Schüler Unternehmen kennenlernen. Das Angebot der Kausa-Servicestelle richtete sich besonders an Migranten.

Speed-Dating gilt eigentlich als Methode, um möglichst schnell möglichst viele neue Flirtpartner zu finden. Beim Speed-Dating der Kausa-Servicestelle geht es allerdings um Arbeitskraft: Am Dienstag ging in der Mensa der BBS II das dritte Schnell-Treffen der Einrichtung über die Bühne. Dabei lernten zehn hiesige Unternehmen 70 angehende Auszubildende aus Berufsbildenden Schulen I und II kennen.

Aug‘ in Aug‘ mit Chef und Azubi

„Ich hab gehört, die sind entspannt drauf. Den Azubi kenne ich schon einmal.“ – „Immer mit der Ruhe. Das ist hier ja kein Examen.“ Hendrik Buchop ist einer der Schüler, die sich den Unternehmen vorstellen. Ein Lehrer spricht im gut zu, ehe es zum Tisch von Starofit geht. Dort sitzen Kai Beecken und Tim Krumrei, Geschäftsführer und Azubi im dritten Lehrjahr beim Ganderkeseer Stahlrohrhändler. Und los geht die Vorstellungsrunde.

Noten spielen erst einmal keine Rolle

 (Weiterlesen: Azubi-Knigge hilft bei Start ins Berufsleben) 

Zehn Minuten währt jedes Gespräch. Das Besondere: „Noten spielen erst einmal keine Rolle, auf den persönlichen Eindruck kommt es an“, sagt Stefanie Büsching, Projektleiterin bei Kausa. „Auch Schülerinnen und Schüler mit weniger guten Noten sollen eine Chance erhalten, Unternehmen direkt zu überzeugen.“ Besonders gelte das für Kinder von Migranten oder junge Flüchtlinge. Büsching: „Diese Gruppen haben es nachweislich schwerer.“ Darum setze sich die Kausa-Servicestelle generell besonders für sie ein.

In erster Linie werden Praktika vermittelt

Zuvor war sie mit ihrem Team in den Klassen und hat das Format des Speed-Datings sowie die Unternehmen vorgestellt. Was stellt wer her? Welche Ausbildungen werden angeboten? Entsprechend der Interessengebiete wurden die Kurzgespräche mit den Firmen vereinbart. Ziel an diesem Tag ist aber nicht ein unterzeichneter Ausbildungsvertrag: „Beim Speed-Dating sind bisher viele Praktika entstanden“, sagt Büsching. Vor dem Hintergrund einer hohen Abbrecherquote – jeder dritte breche bundesweit die Ausbildung ab – sei das schnelle Gespräch eine gute Orientierung für Schüler.

Cüneyr Ar (18) möchte Elektriker werden. „Von dem Gespräch erwarte ich erst einmal Informationen.“ Beim Anlagentechniker Christoffers hat er schon ein Praktikum gemacht, vielleicht kann er damit beim Gespräch punkten. Und dem Schüler Lukas Lehnacker (18) geht es ebenfalls ums Kennenlernen.

Positive Erfahrungen

Dass das Speed-Dating hilfreich ist, sagt Starofit-Geschäftsführer Beecken. „Wir haben jedes Mal teilgenommen, immer mit guten Erfahrungen.“ 20 Prozent der 60 Mitarbeiter sind Auszubildende, kein Wunder also, dass ein besonderes Augenmerk auf der Suche nach Azubis liegt. „Wir sind ein Großhandel, darum sind für uns Migranten wegen ihrer Fremdsprachenkenntnisse sehr interessant.“