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Angeklagter hofft auf Bewährung Delmenhorster hat Polizisten auf Motorhaube genommen

Von Ole Rosenbohm | 22.05.2017, 19:23 Uhr

Der Alkohol gehört zu ihm, seit er zwölf Jahre alt war, jetzt wird er ihn wohl hinter Gitter bringen: Vor dem Landgericht Oldenburg wird seit Montag die Berufung eines 36-Jährigen verhandelt, der betrunken ohne Führerschein auf der Flucht einen ihn kontrollierenden Polizisten auf die Motorhaube nahm – und das als einschlägig Vorbestrafter inmitten seiner Bewährungszeit.

Früh verlor der Mann seinen Führerschein, zurück bekam er ihn nie. Aber er fuhr, auch nachdem er wegen Unfallflucht 2015 zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde.

Nach einem Restaurantbesuch mit Kindern und Lebensgefährtin im Januar 2016 der Absturz: Schon angetrunken fuhr er den geliehenen Wagen. Im Lokal trank er Bier am Tisch, Wein und Schnäpse heimlich an der Theke. Er brachte die Familie nach Hause, kehrte zurück, trank noch mehr. Der Delmenhorster kann zwei, sogar drei Promille gehabt haben, als er in der Tankstelle an der Ecke zwischen Oldenburger und Wildeshauser Straße auffällig wurde: „Hey Chef, kannst du mir mit dem Tankdeckel helfen“, rief er in den Laden. „Stockbetrunken“, sagte sich die Belegschaft. Heimlich rief sie die Polizei. Der Mann saß im Auto, als die Polizisten kamen. Einer ging auf ihn zu.

Polizist verletzt

„Ich hatte Panik ohne Ende“, sagte der Angeklagte. Er wusste: Wird er erwischt, geht es in den Knast. Also gab er Gas, nahm den Beamten auf die Motorhaube, beschleunigte. Von der Seite knallte der Kollege das Funksprechgerät ans Fenster, vorne versuchte der Polizist, nicht unters Auto gezogen zu werden, rollte sich in höchster Not ab. Bis auf Abschürfungen, Risswunden und Prellungen wurde er nicht schwer verletzt.

Therapie gemacht

Tags darauf stellte sich der Mann. Seitdem will er keinen Alkohol angerührt haben, war in einer Suchtklinik, hat eine Therapie gemacht, besucht eine Selbsthilfegruppe. „Ein ganz anderer Mensch“, sagt sein Anwalt und kämpft um Bewährung. Zwei Jahre und neun Monate Haft lautete das erste Urteil: Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit am Steuer, Widerstand, Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr zur Verdeckung einer Straftat. Entschieden wird Mitte Juni. Es werde schwer, eine Bewährung zu erreichen, kündigte die Richterin schon an.