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Angelo Kelly bald in Delmenhorst „Das war für keinen gesund“

Von Thomas Breuer | 21.02.2015, 19:13 Uhr

Einst Mädchenschwarm inmitten der Hysterie um die Kelly Family, heute ein nachdenklicher Künstler: Angelo Kelly (33) ist Star-Gehabe inzwischen fremd. Am Freitag, 13. März, gastiert er mit einer „Mixtape Tour Vol. 2“ in der Divarena.

Angelo, wie möchtest du am liebsten wahrgenommen werden? Ist es okay, wenn die Leute sagen: „Ach ja, das ist ja der von der Kelly Family, den kenn’ ich noch von früher“?

Das kommt immer darauf an. Es gibt Leute, die sich mit mir und meiner heutigen Musik mehr beschäftigen. Aber wer nicht weiß, was ich als Solokünstler die letzten zehn Jahre gemacht habe, hat meist den Eindruck von der Familiengruppe, in der ich noch ein Kind war, im Kopf. Ich habe damit kein Problem, aber es ist auch nichts, was mich groß beschäftigt. Der positive Aspekt daran ist, dass man mich kennt; der negative, dass man nicht mitgekriegt hat, dass ich erwachsen geworden bin und jetzt andere Musik mache.

Sind unter deinen Fans viele, die dich und deine Musik schon seit zwei Jahrzehnten begleiten?

Ja, ich bin 33 und ein großer Teil meines Publikums ist bestimmt auch so in diesem Alter. Die sind mit mir aufgewachsen und ich bin mit denen aufgewachsen. Sie haben mir meinen Weg erst ermöglicht.

Ist es für dich schöner, sich mehr auf der Basis der Musik zu begegnen ohne dass, wie zu einigen Zeiten der Kelly Family, alles von Hysterie überlagert wird?

Wir haben als Familie viele Jahre auf der Straße Musik gemacht, da gab es so etwas noch nicht. Ich bin da reingewachsen als Jüngster, und bis ich zwölf war, war alles sehr natürlich, sehr auf Musik basierend. Dann wurde der Erfolg sehr groß, und dass ich ein Teenieschwarm wurde, hat vieles überlagert und manchmal sogar die Musik überboten. Das war für keinen gesund, nicht für mich und nicht für das Publikum. Aber so ist das halt und in dem Moment kannst du es nicht ändern. Nun sind alle erwachsen geworden und es ist nicht mehr so. Außerdem habe ich jetzt eine eigene Familie und pflege kein Star-Gehabe. Ich bin sehr zugänglich und nehme mir nach jedem Konzert Zeit für Autogramme, Fotos und Fragen. Von meinem Erfolg her und auch was mein Benehmen betrifft, bin ich kein Star. Und viele Leute sind zusammen mit mir gesund geworden.

Du hast viele eigene Lieder geschrieben, aber die „Mixtape Tour“, deren zweiten Teil du jetzt präsentierst, konzentriert sich auf Interpretationen von Lieder anderer Künstler.

Ich habe die letzten zehn Jahre fünf Soloplatten herausgebracht, viele Songs geschrieben und viele Touren gemacht. Aber „Mixtape“ ist ein Projekt, dass ich schon länger machen wollte: Songs von anderen Künstlern spielen, die mich die vergangenen 30 Jahre geprägt haben oder zu denen ich einen Bezug habe. Ich spiele die Lieder sehr eigen, sehr auf meine Art und Weise, und suche Stücke aus, von denen ich das Gefühl habe, ich könnte sie neu erfinden. Nicht so entfremdet, dass sie nicht mehr schön sind, aber eben auf meine Art und Weise. Es gibt ein altes irisches Sprichwort: Von jeder Geschichte gibt es zwei Versionen, aber von jedem Song zwölf. Das zeigt, dass Lieder auf viele verschiedene Arten gespielt und gefühlt werden können. Die Frage ist dann, ob du eine dieser zwölf Arten beherrscht.

Gibt es Lieder, an die du sich nicht heranwagen würdest, weil die Ehrfurcht vor einem anderen Künstler und seinem Können zu groß ist?

Ich würde wohl keine Songs von Prince singen, weil er als Sänger so unfassbar ist. Das gilt auch für Freddie Mercury von Queen. Aber vielleicht könnte man es dann doch probieren, um sie ganz anders zu interpretieren. Vielleicht in einer Country-Version oder einer sehr nachdenklichen Johnny-Cash-Version. So ging es mir auch mit „Easy“ von Lionel Richie, weil ich nicht gerade ein Soul-Sänger bin. Aber man darf einfach keine Angst haben.

Welche Rolle spielt deine eigene Familie heutzutage für deinen musikalischen Kontext?

Meine Frau, meine vier Kinder und ich machen zusammen Musik, waren schon auf ein paar Touren und haben auch eine Platte zusammen gemacht. Wir werden das auch weiterhin machen, aber die Kinder dürfen ruhig wissen, dass Papa auch mal allein auf Tour geht.

Einmal angenommen, es würde sich aus diesen Familienauftritten eine ähnlich große Hysterie entwickeln wie damals bei der Kelly Family – würdest du dann einen Schnitt machen?

Den mache ich ja jetzt schon, weil ich mit dem, was meine Familie betrifft, sehr radikal bin. Wir treten als Familie nicht in TV-Shows auf und ich mache keinen Boulevard mit. Ich habe damals erlebt, wie es anders laufen kann. Darauf war ich nicht vorbereitet und mein Vater war es auch nicht auch nicht. Jetzt bin ich vorbereitet, und von daher muss man nicht die gleichen Fehler wie damals machen.

Das klingt nach einem Menschen, der seinen Weg sehr bewusst geht.

Ich bin durch all das, was wir erlebt haben, sehr nachdenklich geworden, habe sehr viel analysiert reflektiert – und mache das immer wieder.

Daheim in Irland...

Ja, in Irland wohnen wir seit zwei Jahren in einem Haus auf dem Land mit einem großen Grundstück. Das ist alles noch sehr ursprünglich und nicht so hektisch – also gesünder für uns alle.