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Angst vor Ratten in Delmenhorst Mülltonnen in Düsternort platzen aus allen Nähten

Von Kai Hasse | 08.01.2018, 08:38 Uhr

Die Mülltonnen quellen über in Düsternort. Bewohner des Stadtteils befürchten, dass Ratten sich künftig in den Straßen herumtreiben könnten. Stadt, Vermieter und Abfallgesellschaft hoffen auf Besserung.

Ein Anwohner hatte kürzlich seine Besorgnis mit deutlichen Worten geteilt: „Wenn die Ratten vom Standesamt weg sind, sind diese umgesiedelt zur Jägerstraße und zum Bahnhofsvorplatz“, schreibt er. Ein Rundgang durch den Stadtteil ist zum Teil niederschmetternd: Zwar stehen die meisten Tonnen geordnet am Straßenrand und quellen nicht über. Aber an einzelnen Sammelstellen wie beispielsweise im Brendelweg oder in der Jägerstraße türmt sich der Dreck eineinhalb Meter hoch. Gelbe Säcke, Rest-, Bio- und Sperrmüll quer durcheinander. Vor allem hinter den größeren Abfallcontainern sammeln sich Abfälle, eine Mülltonne ist von innen aufgeplatzt.

Problem: zu wenig Kapazität bestellt

Hans-Ulrich Salmen, der Chef der Stadtwerke und der Abfallentsorgung Delmenhorst, erklärt die Zwänge, in denen er steckt: Er darf seine Mitarbeiter gar nicht anweisen, das, was neben den Tonnen auf den Grundstücken liegt, wegzuräumen. „Das ist Privatgrundstück – es wäre illegal.“ Rein juristisch dürfen seine Leute nur den Müll wegräumen, der in den dafür bereitstehenden Behältnissen ist. Alles daneben ist nicht bezahlt und nicht zur Abholung beauftragt. „Das Problem ist, dass die Grundstücksbesitzer nicht genug Müll-Kapazität und die entsprechenden Behältnisse bestellen“, sagt er. Handelt es sich um offenkundigen Sperrmüll, der nahe der Gebäude liegt, dürfe er außerdem nicht automatisch davon ausgehen, dass beispielsweise Möbel auch wirklich weg sollen, wenn sie nicht zu vereinbarten Zeiten an den dafür vorgegebenen Orten liegen. „Ich muss davon ausgehen, dass die Besitzer diese Möbel noch benutzen wollen“, sagt er. „Letztendlich handelt es sich um illegale Müllentsorgung“, so Salmen, oder, wenn Müll einfach in der Vermutung, er werde schon abgeholt, in den öffentlichen Raum gelegt wird, um ein Erschleichen von Leistungen.

Nicht nur Düsternort betroffen

Salmen stehe zu diesem Problem gelegentlich mit Hausbesitzern im Austausch. Es sei ein Leichtes, die Müllkapazität – also die bestellte Tonnenmenge – vonseiten der Besitzer zu erhöhen, und dann zu Zusatzkosten natürlich leider auf die Miet-Nebenkosten umzulegen. Er regt außerdem an, dass es eine kommunale Vorgabe geben müsse, die Vermietern eine größere Kapazität bei einer bestimmten Mieterzahl verbindlich auferlege.

Das, sagt dazu Stadtsprecher Timo Frers, sei grundsätzlich möglich, wenn sich dazu die politische Initiative finde. Generell erklärt er, dass es gelte, aus Hausbesitzer und Hausmeister entsprechend einzuwirken. Sie seienn in der Pflicht, für genügend Behältnisse zu sorgen. Ähnliche Probleme gäbe es wiederkehrend „generell in allen Bereichen, in denen wir es mit verdichteter Wohnbebauung zu tun haben.“ Das betreffe nicht nur Düsternort, sondern auch beispielsweise Orte in Stickgras oder Deichhorst, betont Frers. Letzte größere Müllprobleme hatte es auch im Wollepark gegeben.

Ludwig: Alle Wohnungen mit Keller oder Abstellraum

Herr vieler Häuser ist Stefan Ludwig, der Geschäftsführer des kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Delmenhorst (GSG). Er hadert – gelegentlich, macht er deutlich. Es gäbe tatsächlich manche schlechten Beispiele, in denen Mieter sich im Zweifel nicht beispielsweise an den Hausmeister wenden, der ihnen helfen könne. Man müsse auch darauf achten, dass es nicht zu Müllablagerungen in den Häusern selbst komme. Die Disziplin der Mieter lasse manchmal zu wünschen übrig – ein Punkt, den auch Salmen am Rande erwähnt. Ludwigs Mieter hätten alle einen Keller oder einen Abstellraum, erklärt er auf Anfrage, sodass auch Sperrmüll kurzzeitig lagerbar sei, bis Abholtermin ist. Was die Kapazität angehe, werde – bei seinen Gebäuden – stets so nachjustiert, dass die Müllmenge reichen sollte.

Müll-Streife in Planung

Noch in diesem Quartal soll sich derweil ein „Runder Tisch Sauberes Delmenhorst“ konstituieren. Ein erstes Treffen hat es gegeben. Posten und Funktionen sollen bald verteilt werden, erklärt Wilfried Behrmann, Sprecher des bisherigen Arbeitskreises Sauberes Delmenhorst. Auf der kommenden Agenda haben die Mitglieder unter anderem eine Stadt-Streife, die bei Müllbergen schnell den Finger in dei Wunde legen soll. Für 2018 sind bisher vier Treffen geplant.