Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Anklage geht die Luft aus Erpressungsprozess gegen Delmenhorster eingestellt

Von Ole Rosenbohm | 22.09.2017, 15:32 Uhr

Im Prozess gegen zwei Delmenhorster wegen bandenmäßigen Betrugs ist Fahrt gekommen. Ein Verfahren vor dem Landgericht Oldenburg gegen einen 28-jährigen Angeklagten wurde eingestellt. Auch der 27-jährige Hauptangeklagte ist von einem wichtigen Anklagevorwurf befreit.

Im Fall von bandenmäßigen Betrugs sind zwei Angeklagte entlastet worden. Das Landgericht Oldenburg stellte das Verfahren gegen einen 28-Jährigen ein. Neun Monate saß er bereits in Haft – dafür erhält er eine Entschädigung von knapp 3500 Euro. Entschärft hat sich der Prozess auch für den 27-jährigen Hauptangeklagten. Ein Komplize, der gegen die beiden wegen räuberischer Erpressung ausgesagt hatte, hatte sich in Widersprüche verstrickt.

Zehn Betrügereien zugegeben

Vor allem der 27-jährige ist aber auch wegen mutmaßlichem bandenmäßigen Betrugs im Visier des Gerichts. Er ieferte jetzt ein umfangreiches Geständnis. In seiner Einlassung gab der 27-jährige die Beteiligung an den ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen zehn Betrügereien zu. Mittelsmänner, die er nie gesehen haben will, hätten ihm telefonisch Aufträge erteilt, Bargeld oder Schmuck bei älteren Menschen abzuholen.

In einem Fall 80.000 Euro erbeutet

Meist engagierte der Angeklagte Leute aus seinem Umfeld, die das Geld bei den arglosen Opfern abholen sollten. Die Opfer waren zuvor durch Anrufe von vermeintlichen Polizisten dazu gebracht worden, Geld von der Bank abzuheben und es den falschen Ermittlern zum „Zweck der Sicherung“ zu übergeben. Fünfstellige Summen erzielten die Betrüger, in einem Fall über 80.000 Euro. Zehn Prozent behielten jeweils die an der Abholung Beteiligten.

Widersprüche eines Zeugen

Daneben wog auch eine räuberische Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und Diebstahl schwer gegen die beiden Angeklagten. Doch das Opfer in diesem Fall, ein mutmaßlicher Komplize, hatte sich bei seiner Aussage im August in enorme Widersprüche verstrickt. Widerstrebend stimmte deshalb auch die Staatsanwaltschaft einer Einstellung dieser Vorwürfe zu, nach der das Verfahren gegen den hauptsächlich wegen dieser Tat angeklagten 28-Jährigen eingestellt werden musste. In Sachen Entschädigung einigten sich Anwalt, Staatsanwaltschaft und Gericht auf 12,50 Euro pro Tag, die Hälfte der ihm gesetzlich zustehenden Summe. „So viel Wendung an einem Tag habe ich selten erlebt“, sagte später Richter Horst Kießler.

Urteil könnte bald kommen

Das Verfahren gegen den Hauptangeklagten könnte schnell zu Ende sein. Ursprünglich waren noch neun Termine bis Dezember angesetzt, jetzt erscheint ein Urteil in diesem Monat für möglich. Auf die Vernehmung der Opfer verzichteten alle Beteiligten bereits. Im Prozess werden nur die gemachten Aussagen bei der Polizei verlesen.