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Ankunft am Samstagabend 80 Flüchtlinge beziehen Delmenhorster Turnhalle

Von Jan Eric Fiedler | 17.10.2015, 23:55 Uhr

Rund 80 Flüchtlinge sind am Samstagabend in Delmenhorst angekommen. Sie wurden in der spontan hergerichteten Sporthalle der Hauptschule West am Stubbenweg untergebracht. Zahlreiche Helfer haben sie in Empfang genommen.

„Wir sind gut vorbereitet“, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz kurz vor der Ankunft des voll besetzten Doppeldeckerbusses gegen 20.30 Uhr. Jahnz hatte die Vorbereitungen und auch die Ankunft der Flüchtlinge vor Ort begleitet.

Kaum mehr als einen Rucksack dabei

Kaum fünf Minuten dauerte es, bis die Flüchtlinge den Bus verlassen und mit ihrem Hab und Gut – meistens nicht mehr als ein Rucksack oder Plastiktüten – weiter auf das Gelände der Schule sind, wo sie von den Helfern in Empfang genommen wurden. Laut Jahnz sind unter anderem Afghanen und Pakistaner unter den Flüchtlingen. Auch Kleinkinder sind dabei.

Auf alle Eventualitäten vorbereitet

Es waren zwar weniger als die zunächst angekündigten 100 Flüchtlinge, doch die Verwaltung, Feuerwehr, Polizei sowie zahlreiche weitere Hilfseinrichtungen und Ehrenamtliche hatten einen großen Aufwand betrieben, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Denn selbst hinter dem Zeitpunkt der Ankunft stand lange ein Fragezeichen: Zunächst sollte er gegen 14 Uhr eintreffen, später hieß es zwischen 17 und 18 Uhr, bis es schließlich 20.30 Uhr wurde.

Helfer melden sich noch am Abend

Zudem war weder die genaue Zahl der Flüchtlinge noch ihre Zusammensetzung im Vorfeld bekannt. Ob viele Kinder dabei sind, ob sie nach der langen Fahrt – sie startete bereits um 11 Uhr – ärztliche Hilfe brauchen, stand nicht fest. Vorsorglich stand ein Krankenwagen bereit. Ärzte hatten sich freiwillig zur Erstversorgung der Flüchtlinge gemeldet. Sowieso war die Hilfsbereitschaft groß: Neben Vereinen wie den Integrationslotsen, die im Vorfeld bereits in die Organisation integriert worden waren, meldeten sich am Tor zur Schule Freiwillige, um sich einzubringen. „Ich kann übersetzen“, sagte so ein Mann, der gegen 20 Uhr vor dem Tor stand.

Bürger wollen Flüchtlinge in Empfang nehmen

Drei weitere Delmenhorster hatten sich eingefunden, um den Flüchtlingen „einfach Hallo“ zu sagen und ihnen einen freundlichen Empfang zu bescheren. Dazu gab es jedoch bei der eiligen Ankunft keine Gelegenheit, da sie vom Ordnungsamt angehalten wurden, die Flüchtlinge nach ihrer beschwerlichen Reise nicht zu behelligen. Gleiches galt für die Presse, die gebeten wurde, keine Fotos der Flüchtlinge zu machen.

Parolen von der anderen Straßenseite

Zuvor hatten sich – knapp eine Stunde vor der Ankunft der Flüchtlinge – auch unschöne Szenen abgespielt: Vom Balkon eines angrenzenden Hauses schallten ausländerfeindliche Parolen herunter, wie eine der freiwilligen Helferinnen berichtete. Auf der Straße lieferten sich diese Anwohner anschließend ein Wortgefecht mit der Polizei und gingen schließlich.

Hauptschule West muss in den Ferien umorganisieren

Die Hauptschule West muss sich nun darauf einstellen, auf die Halle vorerst zu verzichten und sich die Mensa mit den Flüchtlingen zu teilen. Ob es zu Unterrichtsausfällen kommen wird, konnte Schulleiter Jan Steen am Freitag noch nicht sagen: „In der nächsten Woche gibt es Gespräche mit der Stadt“, berichtete er. Ein Vorteil sind für ihn die jetzt beginnenden Herbstferien: „Wir können in Ruhe planen.“

Schüler haben neue Situation souverän aufgenommen

Die Schüler seien gespannt auf ihre neuen Nachbarn. Am Freitag hat es zum Einzug der Flüchtlinge eine Informationsveranstaltung für die Schüler gegeben. „Sie haben es sehr gefasst und souverän aufgenommen“, sagte Steen. Viele hätten bereits jetzt Flüchtlingskinder in der Klasse und sind den Umgang mit ihnen gewohnt. Ob mit den 80 Flüchtlingen auch neue Schüler für seine Schule angekommen sind, wusste Steen noch nicht: „Die Menschen sind noch nicht registriert. Niemand weiß, welche Altersstufen vertreten sind.“ Sicher sei aber bereits jetzt: „Die Hilfsbereitschaft der Schüler in der Sprachlernklasse ist schon jetzt sehr groß.“

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