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Anlaufstelle an Moorkampstraße Sozialpädagogin gründet Autismuszentrum in Delmenhorst

Von Bettina Dogs-Prößler | 01.06.2018, 08:38 Uhr

In ihrem ambulanten Autismuszentrum hilft Bettina Paul Menschen mit autistischer Störung. Dazu schult sie Fachkräfte, Signale der Störung frühzeitig zu erkennen.

Für Bettina Paul war die Zeit überreif. „Für Autisten gibt es in Delmenhorst so gut wie keine Anlaufpunkte“, sagt die Diplom-Sozialarbeiterin. Und so entschloss sie sich, selbst eine Praxis zu eröffnen, in der Menschen mit Autismus Unterstützung finden. Seit Anfang April bietet sie an der Moorkampstraße ambulante Hilfe für verschiedene Formen des Autismus an und schon jetzt gibt es eine Warteliste.

Aufklärungsarbeit leisten

Noch immer durchlitten Menschen mit Autismus regelrechte Odysseen, bis die Störung richtig diagnostiziert werden würde. „So gibt es derzeit etliche ADHSler, bei denen nachträglich Autismus erkannt wird“, schilderte die Expertin bei einem Pressegespräch gestern Vormittag. Paul, die knapp ein Jahr lang das Ambulante Autismuszentrum der Delmenhorster Lebenshilfe geleitet hatte, will vor allem Aufklärungsarbeit leisten und andere für Signale der Störung sensibilisieren. Aber auch Betroffenen einen Raum geben, in dem sie sich endlich verstanden fühlen. „Die Umwelt verlangt oft Dinge von ihnen, die sie nicht leisten können. Was dazu führt, dass sie sich immer mehr zurückziehen.“

Praxis schnell ausgebucht

Bereits nach zwei Monaten ist ihre Praxis ausgebucht. „Deshalb fiel die Entscheidung auch auf Delmenhorst: Hier gibt es einen sehr hohen Bedarf an Unterstützung für Autisten.“ Rund zwei Jahre werden für die Therapie veranschlagt, behandelt werden sowohl Kinder als auch Erwachsene. Paul: „Je eher es diagnostiziert wird, umso besser.“

Dabei habe Autismus viele Gesichter und äußere sich bei jedem anders. „Definitiv ist es eine genetische Störung und nicht das Ergebnis falscher Erziehung oder sogar Ernährung“, betont die Fachfrau. Um über die unterschiedlichen Symptome aufzuklären, kooperiert Paul mit Kindergärten, Schulen und anderen Institutionen, schult Lehrer und Erzieher und wirft bei möglichen Anzeichen selbst einen Blick auf die Betroffen. „Ist die Störung erst einmal erkannt, können Menschen mit Autismus gut in ihr Umfeld integriert werden“, schildert Paul.

Eigene Gefühle wahrnehmen

Mit der Hilfe von Bettina Paul lernen sie vor allem, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und wichtige Strukturen für den Alltag aufzubauen. „Für Autisten ist das unerlässlich, um sich im Alltag zurechtzufinden“, so Paul. Und Eltern, Erzieher und Lehrer wiederum lernten, ihnen die Zeit zu geben, die sie bräuchten, um ihre Gedanken zu sortieren. Denn mit entsprechender Förderung, aber auch Forderung könnten Autisten problemlos lernen, sich an die Gesellschaft anzupassen. „Sie brauchen nur endlich jemanden, der sie versteht und weiß wie ihre Welt aussieht.“