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Anonyme Alkoholiker Delmenhorster Suchtkranke feiern Weihnachten

Von Merlin Hinkelmann | 24.12.2016, 11:40 Uhr

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und des Alkohols. Die Anonymen Alkoholiker Delmenhorst laden heute zum Weihnachtstreffen ein.

Wenn die Anonymen Alkoholiker (AA) heute zu ihrem traditionellen Weihnachtstreffen zusammenkommen, wird es eine Sache ganz bestimmt nicht geben: Alkohol. „ Weihnachten und Sylvester ist für Alkoholiker eine besonders schwere Zeit. Viele werden rückfällig und greifen wieder zur Flasche“, erklärt Michael. Aus eben diesem Grund organisiert der 53-Jährige in diesem Jahr das Treffen. „Damit Betroffene nicht allein sind, sich gegenseitig Kraft geben können.“

Jeder ist eingeladen

In gemütlicher Atmosphäre treffen sich die AA und deren Angehörige heute von 15 bis 21 Uhr im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirche an der Lutherstraße 4. Laut Michael gibt es ein „Überraschungsbuffet“, Kaffee und Kuchen sind jedoch gewiss. Auch Interessierte, die mehr über die Arbeit der Selbsthilfegruppen erfahren möchten, sind eingeladen. „Wir machen es uns richtig schön – mit Tannenbaum und allem drum und dran“, stellt Michael in Aussicht.

Familien kommen zusammen

Das alljährliche Weihnachtstreffen der AA ist inzwischen zur Tradition geworden. „Das veranstalten wir schon seit zig Jahren.“ Wie lange genau, weiß auch Michael nicht. Ursprünglich stand hinter dem Treffen die Idee, eine Plattform für die Junggesellen unter den AA zu schaffen, damit sie Weihnachten nicht allein sind. „Damals bestand unsere Gruppe fast nur aus Männern“, erinnert sich Michael. Das hat sich geändert. Inzwischen kommen viele mit ihrer ganzen Familie. Andere wieder schauen nur auf eine Tasse Kaffee vorbei. Michael nennt es „eine tolle Sache, was wir auf die Beine stellen“. Unter den rund 50 Menschen, die er erwartet, treffe er stets jemanden, den er lange nicht mehr gesehen hat. „Noch herzlicher geht es kaum.“

Das Treffen drohte auszufallen

Der Delmenhorster hat das Weihnachtstreffen schon vor drei Jahren, da noch in der Stadtkirche, organisiert. In diesem Jahr wollte erst keiner die Organisation übernehmen. Das Treffen drohte auszufallen. Doch Michael rettete die Veranstaltung und meldete sich mit seiner

„Kollegin“ Elke im letzten Moment freiwillig. „Die Zusammenkunft ausfallen zu lassen, wäre für mich nicht in Frage gekommen“, betont er. „Es geht ja nicht nur ums Feiern. Wir finden auch die Zeit, in vertrauter Runde über unsere Probleme zu sprechen. Davon profitieren alle.“

Anonyme Alkoholiker seit 1973 in Delmenhorst

Seit über 45 Jahren gibt es die AA bereits in Delmenhorst, Michael ist seit knapp zehn Jahren Teil der Gruppe. Der 53-Jährige hat in der Zeit viele Selbsthilfeeinrichtungen ausprobiert, ist aber immer wieder nach Delmenhorst zurückgekehrt. „Die Gruppe hat mich aufgefangen, wenn ich Hilfe brauchte. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie machen würde.“