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Anordnung der Stadt Neue Hausnummer macht Delmenhorstern mächtig Ärger

Von Merlin Hinkelmann | 04.08.2017, 10:00 Uhr

Für die Stadt ist es nur eine Nummer. Für Ingrid und Karl-Heinz Sauer ist es viel mehr. Dass die Stadt aus heiterem Himmel ihre Hausnummer ändern will, dafür haben sie kein Verständnis.

Ingrid und Karl-Heinz Sauer verstehen die Welt nicht mehr. Seit 15 Jahren wohnen sie an der Nutzhorner Straße. Hausnummer 105A. Doch damit ist vielleicht bald Schluss. Denn wenn es nach der Stadt Delmenhorst geht, soll aus der 105A eine 104B werden. „Es ist unbegreiflich, was da vor sich geht“, zeigt sich das Ehepaar entsetzt. Als die beiden den Brief von der Stadtverwaltung erhielten, glaubten sie zunächst an einen verspäteten Aprilscherz. Die Stadt schrieb: „Zum Erhalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung [...] ist es erforderlich, Ihrem Grundstück eine neue Anschrift zuzuordnen“. Was war passiert? Weil auf dem hinteren Grundstücksabschnitt der Nutzhorner Straße 107 ein neues Mehrfamilienhaus gebaut werden soll, hat die Stadt routinemäßig die Hausnummern überprüft – und dabei festgestellt, dass die Nummernfolge vom sogenannten „Berliner System“, also die Vergabe nach der Lage der Zufahrt, abweicht (wir berichteten).

Angst, dass keiner mehr ihr Haus findet

Das Ehepaar Sauer hat davon noch nie etwas gehört. „Berliner System, was soll das sein? Wir leben hier in Niedersachsen“, empört sich Karl-Heinz Sauer. Er und seine Frau sind nicht die Einzigen, die von der Änderung betroffen sind – insgesamt vier Häuser benötigen neue Hausnummern. Das Argument der Stadt: Bei einer abweichenden Hausnummernfolge bestehe das Risiko, dass bei einem Rettungsfall ein Hinterlieger-Grundstück nicht gefunden werde. Das können die Sauers nicht nachvollziehen. „Es ist doch genau umgekehrt: Wer vermutet schon die Hausnummer 104B hinter der 105? Das ist verwirrend“, sagt Ingrid Sauer. Sie habe „richtig Angst“, dass in Zukunft keiner mehr zu ihrem Haus finde – Freunde und Bekannte, der Postbote, die Feuerwehr, der Krankenwagen.

Kritik an Kommunikation mit Stadtverwaltung

Dabei könnte die Lösung aus Sicht der Sauers ganz einfach sein: „Wenn der Neubau hinter der 107 die Hausnummer 107A erhalten würde, wären alle Probleme verschwunden“, erklärt Karl-Heinz Sauer. „Es könnte so einfach sein.“ Die Stadt aber will dem Neubau die Nummer 106A zuweisen und die alte Nummer der Sauers soll ein Nachbar bekommen. Ihren Einwand brachten die Sauers auch der Stadt gegenüber zum Ausdruck, sie legten Widerspruch ein. Ohne Erfolg. Über eine amtliche Bekanntmachung erfuhren sie außerdem, dass die neuen Schilder 15 Zentimer groß sein müssen. „Solche Dinge hat die Stadt nicht kommuniziert“, kritisiert Ingrid Sauer. Man werde vor vollendete Tatsachen gestellt. Ein halbes Jahr lang muss die alte Hausnummer noch am Haus angebracht sein – und zwar rot durchgestrichen. Karl-Heinz Sauer schüttelt den Kopf. „Als ob die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung nichts Anderes zu tun hätten.“

Ehepaar schätzt Kosten auf 300 Euro

Im Schreiben, das die Sauers von der Stadt erhielten, heißt es zudem, es gebe mehrere Hausnummern in Delmenhorst, die dem korrekten Ordnungsprinzip nicht folgen. Aufgrund der begrenzten Arbeitskapazitäten könne man aber nicht das gesamte Stadtgebiet untersuchen. Eine Aussage, die Ingrid Sauer zur Weißglut bringt. „Wenn, dann muss man das auch konsequent durchziehen.“ Rund 300 Euro, schätzen die Sauers, müssen sie für die Demontage, die Neuanschaffung und Montage einer beleuchteten Hausnummer berappen. Die Stadt hat dem Ehepaar eine Pauschale von 50 Euro angeboten – eine konkrete Auskunft, ob alle anfallenden Kosten zur Gänze übernommen werden, haben die Sauers nicht bekommen. „Um eine neue Hausnummer werden wir wohl nicht herum kommen“, sagt Karl-Heinz Sauer, während er die Ziffern neben seiner Haustür betrachtet. 105A steht da. Noch.