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Ansturm auf „Naketano“-Mode Schnäppchenjäger verstopfen Hamburger Weg in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 20.07.2017, 17:55 Uhr

Wenn der Postenhandel Nord am Hamburger Weg öffnet, drängen sich auf der Straße die Autos dicht an dicht . Am Donnerstag hat sich das Verkehrsaufkommen noch einmal verschärft.

Etwa ab 11 Uhr Vormittag hieß es am Donnerstag am Hamburger Weg: Nichts geht mehr. Der Postenhandel Nord hatte außerhalb seiner zwei gängigen Verkaufstage im Monat zu einem Lagerverkauf geöffnet. Viele Delmenhorster und viele Auswärtige – nach den Kennzeichen der Autos zu urteilen – verstopften darauf den 350 Meter langen Hamburger Weg. Die Einfahrten vieler Anwohner der Straße waren blockiert. Die Parkraumüberwachung und die Polizei mussten eingreifen und den Verkehr ordnen.

Autoverkehr blockiert Grundstückszufahrten

„Ich versuche seit einer Dreiviertelstunde, mit dem Auto von meinem Grundstück zu kommen. Ohne Erfolg. Ich komme mindestens eine Stunde zu spät zur Arbeit“, meldete sich eine Anwohnerin zu Wort. „Zu Öffnungstagen des Postenhandels kann ich meist nicht weg“, sagte die Anliegerin Giesela Dezse. „Heute ist meine Tochter zu Besuch, sie hat extra auf einem Supermarktparkplatz an der Syker Straße geparkt.“ Anwohner kritisieren, dass in Notfällen kaum ein Durchkommen für Ärzte oder Rettungswagen sei, „und hier wohnen viele Ältere“, unterstrich eine Frau, die auch sagte: „Es geht nicht darum, dass wir dem Unternehmen den Erfolg nicht gönnen. Aber wenn wir selbst nicht das Grundstück verlassen können, ist das ärgerlich.“ Die Polizei wandelte am Donnerstag den schmalen Hamburger Weg zeitweilig zu einer Einbahnstraße um, um den Knoten aufzulösen.

Verkauf von Trendmarke löste wohl Verkehrsinfarkt aus

„Heute ist es wirklich extrem. Das übertrifft auch den Kundenandrang an normalen Öffnungstagen“, sagte der Geschäftsführer des Postenhandels, Christoph Pawlowski. Erst kürzlich hat er in Briefen Anwohnern den Tipp gegeben, Mülltonnen in die Einfahrten zu stellen, um zu vermeiden, dass diese bei Verkaufstagen zugestellt werden. Verständnis für die Anwohner ist also da. Die Suche nach Parkplätzen an anderer Stelle verlief laut Pawlowski bislang aber erfolglos. „Die Leute sind verrückt. Sie wollen am liebsten direkt vor der Tür parken“, sagte er. Dass der Donnerstag so stark besucht war, lag wohl am Verkauf von Artikeln der Trendmarke „Naketano“, die bis zu 70 Prozent reduziert waren. An normalen Tagen registrieren die Kassen des Unternehmens bis zu 3000 Verkäufe, so der Geschäftsführer. HB, OS, OL, WST, OHZ und natürlich DEL: Die Autokennzeichen verraten, woher die Kunden des Postenhandels stammen. Foto: Frederik Grabbe

„Ein ziemliches Geschiebe und Gedränge“

Als „geisteskrank“ beschrieb eine Kundin den Ansturm auf den Hamburger Weg, die sich selbst im Postenhandel zuvor Jacken gekauft hatte. Im Laden selbst herrschte ein „ziemliches Geschiebe und Gedränge“, sagte die Frau. Das bestätigten auch Sabrina und Rainer Nowak aus Delmenhorst, die sich mit Pullis und Schokolade eingedeckt hatten. „Wer schlau ist, sucht sich einen Parkplatz in einer Seitenstraße“, sagte Rainer Nowak. „Die Ware ist um mehr als die Hälfte reduziert, das zieht die Leute an“, meinte Tochter Sabrina. Teilweise besuchten die Anwohner selbst die Verkaufsräume. Wie andere Kunden auch sagen die Nowaks, sie hätten über Facebook von dem Verkauf erfahren. Ein Blick belegt: Werden dort Verkaufstage angekündigt, werden diese hundertfach weitergeleitet.

Anwohner reagieren verwunderlich gelassen

Was verwundert: Trotz allem Andrang scheinen die meisten Anwohner gelassen auf die Blechlawine zu reagieren, die sich mindestens zweimal im Monat durch ihre Straße schiebt: „Würde ich die Leute gegen Geld auf meinem Grundstück parken lassen, wäre ich vermutlich reich“, scherzte Sezse.

Der aktuelle Lagerverkauf läuft noch bis Samstag. Die nächsten Öffnungstage stehen Anfang August an. Möglich, so Pawlowski, dass die besagte Modemarke im August nochmals außer der Reihe verkauft wird. Künftig allerdings soll der Verkehr um einiges geordneter laufen: Der städtische Fachdienst Verkehr hat den Postenhandel aufgefordert, die Verwaltung künftig über anstehende Verkaufstage zu informieren, damit der Fachdienst entsprechend reagieren kann. Am Donnerstag wurde die Parkraumüberwachung nämlich erst durch Anwohnerbeschwerden hinzugerufen.