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Anteil ist unterrepräsentiert Delmenhorster Selbsthilfegruppen werben um Migranten

Von Heike Bentrup | 23.04.2015, 21:39 Uhr

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle unterhält seit Langem Verbindungen zu Migrantenorganisationen. In Kooperation mit den Integrationslotsen und der drob sind neue Gruppen entstanden.

In einigen klassischen Selbsthilfegruppen vor Ort sind die Deutschen immer noch nahezu unter sich. Zum Bedauern vieler der Mitglieder. „Es ist schade, dass das Angebot nicht stärker angenommen wird“, sagt beispielsweise Werner Mahlendorf von der Krebsselbsthilfegruppe „Ein Weg“. Mögliche Gründe für die Zurückhaltung in den Reihen der Migranten sind laut dem Selbsthilfe-Büro Niedersachsen sprachliche oder auch interkulturelle Verständigungsprobleme sowie Informationsdefizite.

Projekt trägt erste Früchte

Diese abbauen soll das landesweite Projekt „Migration und Selbsthilfe“, an dem sich auch die Selbsthilfe-Kontaktstelle im Fachdienst Gesundheit beteiligt und das vor Ort bereits erste Früchte trägt. „In etlichen Delmenhorster Selbsthilfegruppen gibt es Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Migrationshintergrund“, berichtet Ulrich Gödel, Koordinator in der Kontaktstelle. Zusätzlich zu den international gemischten Zusammenschlüssen hätten sich in den vergangenen Jahren auch muttersprachliche Selbsthilfegruppen gegründet. So entstand unter Mitwirkung der russischstämmigen ehemaligen Kontaktstellen-Mitarbeiterin Tatjana Olenberger je eine russischsprachige Gruppe zu den Themen Depressionen sowie Alkohol, letztere in Zusammenarbeit mit der Drogenberatungsstelle drob.

Integrationslotsen geschult

Um auch Migranten aus anderen Herkunftsländern besser erreichen zu können, hat Gödel neun Männer und Frauen aus dem Integrationslotsenteam als „Selbsthilfemultiplikatoren“ geschult. Parallel hat die türkischstämmige Ayse Kilic, in der Kontaktstelle Nachfolgerin von Tatjana Olenberger, in türkischen Gemeinden und Vereinen Informationsveranstaltungen zum Thema Selbsthilfe angeboten, woraufhin zwei Gruppen, darunter ein internationaler Zusammenschluss, gegründet wurden.

Umfrage soll klare Ergebnisse liefern

Um zu ermitteln, in welchem Ausmaß Menschen mit Migrationshintergrund in Selbsthilfegruppen vor Ort vertreten sind, wird nach Angaben von Ulrich Gödel derzeit eine Umfrage vorbereitet. Erste Ergebnisse seien in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten.

Grundsätzlich stellt die Gründung von themenunspezifischen Gesprächsgruppen laut Gödel einen erfolgversprechenden Ansatz dar. So würden auch die unterschiedlichen kulturellen Eigenarten und Bedürfnisse berücksichtigt, ohne die klassische Selbsthilfearbeit aus den Augen zu verlieren.