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Anzucht im Haus Pflänzchen auf der eigenen Fensterbank aufziehen

Von Thomas Deeken | 19.04.2015, 12:05 Uhr

Der einfachste und günstigste Weg, eine große Zahl von Pflanzen, insbesondere einjährige Freiland- und Gemüsepflanzen, heranzuziehen, ist die Aussaat von Samen im eigenen Haus – wenn man denn dazu Lust und Platz hat.

Man muss lediglich ein bisschen Geld in Saatgut und Aussaaterde und vielleicht noch in ein paar Töpfe, Schalen oder Minigewächshäuschen für die Fensterbank investieren. Ansonsten steht der Pflanzenanzucht in der eigenen Wohnung nichts im Wege. Los geht’s, wenn die Lichtverhältnisse stimmen, sagt Günter Prösch, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins Deichhorst und Fachberater im Bezirksverband der Gartenfreunde Delmenhorst und Umgebung. Das heißt: in der Regel ab Mitte/Ende März.

Lichtverhältnisse müssen stimmen

Zu früh sollte man mit der Anzucht im Haus nicht beginnen, warnt der 63-Jährige. Denn im Januar hapert es noch an günstigen Lichtverhältnissen. Wegen der langen Entwicklungszeit könnten Petunien zwar schon Ende Februar ausgesät werden, für Tagetes beispielsweise sollte man dagegen noch mindestens drei bis vier Wochen warten, so Prösch. Soll aus dem Samen zunächst ein Pflänzchen werden, ist es wichtig, sich über die Saattiefe zu informieren. Dunkelkeimer wie Kürbis, Zuckermais, Lupinen, Stiefmütterchen und Stockrosen brauchen zur Keimung Dunkelheit und müssen deshalb mit einer ausreichend starken Erdschicht bedeckt sein.

„Kein Mineraldünger ins Pflanzloch“

Andere dagegen, wie etwa die kleinen Samen von Petunien, werden nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Und wieder andere wie Begonien- oder Selleriesamen lässt man am besten unbedeckt, da sie für die Keimung Licht benötigen. Achtung: Richtige Blumenerde sollte man nicht verwenden, da der darin enthaltene Dünger die Keimlingswurzeln zerstören kann, wissen Garten-Experten. Und Prösch ergänzt: „Auch beim Auspflanzen gehört kein Mineraldünger ins Pflanzloch. Der ist zu scharf. Pflanzen müssen sich ihre Mineralstoffe selbst suchen.“

An Kälteschutz denken

Die weiteren Tipps: starkes Wässern vermeiden und für warme Temperaturen sorgen. „Fensterbänke aus Marmor können eiskalt sein“, weiß der Deichhorster Gartenfachmann. Deshalb ist es wichtig, noch einen Kälteschutz unter Schale oder Gewächshäuschen zu legen. Darüber hinaus sollten die kleinen Häuschen regelmäßig gelüftet werden, weil „ein ständiges feucht-warmes Klima zu Stängelfäule führen kann“.

Wenn sich dann bei den jungen Pflanzen das zweite Blattpaar entwickelt hat, ist es Zeit zum Pikieren. Das bedeutet: Die einzelnen Pflanzen brauchen jetzt mehr Platz, um sich zu entfalten, und müssen voneinander getrennt werden. Dann sind normalerweise auch die Wurzelballen schon gut entwickelt. „Schön weiß ist ideal“, so Prösch. Jetzt heißt es: ganz vorsichtig umtopfen, die Wurzeln nicht beschädigen, warm und hell, aber nicht in die pralle Sonne stellen und bis zur Kalten Sophie warten, die am 15. Mai das Ende der Eisheiligen bestimmt.

Beet mit Kompost düngen

Direkt vor dem Auspflanzen sollte man, so der 63-jährige Deichhorster, die jungen Pflanzen ein paar Tage abhärten, indem man sie nach draußen stellt, nicht zu hell, eher schattig. Parallel dazu wird das Beet gut gelockert und mit Kompost aufgedüngt. Um die direkte Sonneneinstrahlung und damit eine mögliche Verbrennungsgefahr zu vermeiden, sucht man sich zum Schluss am besten einen Tag mit bedecktem Himmel aus, rät der Kleingärtner – oder man schattiert die Pflanzfläche mit einem Vlies. Dann Töpfe kneten, auf den Kopf stellen, Pflänzchen samt Wurzel herausfallen lassen, in den Boden geben, mit Strahl statt Brause gut angießen – und später an selbst gezüchteten Blumen und Gemüsesorten erfreuen.