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Appell für Veranstaltungshalle Delmenhorster „Handmade“ bleibt Publikumsmagnet

Von Kai Hasse | 29.10.2017, 18:42 Uhr

Wieder mit großem Besucherandrang ist die Handwerksmesse „Handmade“ in Delmenhorst über die Bühne gegangen. Laut Veranstalter sind schätzungsweise ähnlich viele Menschen da gewesen wie 2016.

Die Aussteller auf der Handarbeiten-Messe „Handmade“ in Delmenhorst fühlen sich wohl auf der Messe. Und das soll auch so bleiben. Dass es Unsicherheiten gibt über die Zukunft der dominierenden Veranstaltungshalle „Commedia“ nehmen sie zum Anlass, eindringlich für die weitere Nutzung der Halle zu appellieren.

Besucherzahl wie im vergangenen Jahr

Gut angenommen worden sei die Messe in diesem Jahr. Lina Deichmann, Projektassistentin des veranstaltenden Unternehmens „meetCon“ schätzt die Besucherzahl am Sonntagnachmittag auf etwa gleich mit der des vergangenen Jahres. Da waren es rund 7000 Besucher. „Die Besucher kommen von weit her. Das Gelände ist einfach topp“, sagt Deichmann. Man habe sich mittlerweile eine feste Stammkundschaft aufgebaut, die interessiert ist und die Messe sehr schätze. Was sie freut, ist, dass auch der neue Ausstellungsbereich in der Nadelsetzerei gut besucht worden sei und dass die Leute trotz des Sturms den Weg zur „Handmade“ gefunden haben.

Weitere Nutzung der „Commedia“-Halle unsicher

Dass es so bleibt wie bisher, ist derweil noch ungewiss. Das Problem ist, dass der Eigentümer der Halle, das städtische Medien- und Veranstaltungszentrum, die Halle nicht gut ausnutzen kann. Lärmschutzbestimmungen lassen viele Veranstaltungsmöglichkeiten nicht zu. Somit suche man nach Möglichkeiten, wie man die Halle besser nutzen könne. Im Raum steht beispielsweise die Einrichtung von Büroräumen – was die Nutzung für die „Handmade“-Messe infrage stellen würde. Zwar könnten die Veranstalter von „meetCon“ auch eine „temporäre Leichtbauhalle“ aufbauen, wie Deichmann betont, aber zumindest aus Sicht der Aussteller würde dann ein wenig Flair verloren gehen. Denn nicht nur das Nordwolle-Museum und die VHS, sondern auch die Halle selbst gehöre zu dem besonderen Charakter der Ausstellung.

Kunden wissen, was sie wollen

Diesen Charakter würden die Kunden zu schätzen wissen. Matthew Gray, der mit Knöpfen, Reißverschlüssen und Stoffen handelt, bemerkt, dass die Besucher sehr versiert seien: „Die wissen genau, was sie wollen“, sagt er. Für ihn bestens. „Ich brauche keine 10.000 Besucher, sondern Kunden“, meint er und will damit den Unterschied herausstellen vom Schlendern und dem gezielten Suchen, das er bei den Menschen an seinem Stand bemerkt. Für ihn ist die Halle perfekt. Allerdings sei die „Handmade“ ein „Wackeltermin“, sagt ein Aussteller. In diesem Jahr sei erst recht spät klar gewesen, dass die Messe in der üblichen Form mitsamt der großen Veranstaltungshalle stattfinden wird. Eine langfristige Planung, die viele Aussteller für ihre Vorbereitungen brauchen, sei somit schwer. Und das sei schade: „Es ist für uns ein wichtiger Termin. Das Umfeld, das Objekt, die Organisation, die Logistik, alles prima durchdacht.“ Ungeachtet der Hallen-Problematik sind die Veranstalter und Aussteller voll des Lobs für die Messe und die Besucher insgesamt. Der Umsatz, den die Aussteller brauchen, komme zusammen, so die einhellige Meinung.

Eifriges Basteln und Probieren

In den Hallen der „Commedia, der VHS und des Museums ist die Messe mit viel Tasten, Ausprobieren, Abmessen und Staunen im vollen Gang. Besucher aus Delmenhorst und auch aus der weiteren Region sind mit Eifer am Basteln und Handeln. Mitten im Trubel der „Commedia“ unterrichtet Jutta Tiemeier einige Frauen, wie man aus finnischem Papiergarn Rosenranken bastelt. Konzentriert und langsam tragen sie Leim auf das filigrane Material auf und legen es langsam um ein Stäbchen. So entsteht langsam eine feine Rose.

Schönschrift fürs Weihnachtskärtchen

Bei einem anderen Workshop in der Turbinenhalle bringt Sabine Pfeiffer mehreren Frauen die Grundlagen der Kalligrafie bei. Da wird mit Feder und Tinte das Alphabet geübt, Strich für Strich. Kalligrafie, meint Pfeiffer, erlebe derzeit eine Art Aufwind. „Das Handlettering ist wieder aktuell“, meint sie – also das Schreiben in Schönschrift, beispielsweise per Brief und im Kontrast zur elektronischen Kurznachricht. Warum die Frauen es lernen? „Meine Tochter studiert Kunst und Design“, sagt eine Frau, „und da begann ich, das Schönschreiben faszinierend zu finden. Es wäre schön, zu Weihnachten die Schildchen an den Geschenken so zu gestalten.“ Eine andere Teilnehmerin will die Schönschrift in ihr Hobby, die Acrylmalerei einbinden. „Es ist ein schönes gestalterisches Mittel“. Und beim Stand von Matthew Gray, der bereits die sehr konkreten Vorstellungen der Kunden lobte, ist stets Hochbetrieb. Gray, der sich als „Nähschotte“ vorstellt, trägt Schottenrock, macht aus jedem Kundenkontakt ein freundliches Gespräch, ein kleines Einkaufserlebnis, und mindestens einen Witz über seinen stattlichen Bauch. Er ist das erste Mal dabei, und er will wiederkommen – in die „Commedia“.