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Appelle fruchten wenig In Delmenhorst herrscht Unmut über „Mama-Taxen“

Von Heike Bentrup, Heike Bentrup | 19.05.2016, 08:38 Uhr

An einigen Schulen im Delmenhorster Stadtgebiet kommt es allmorgendlich sowie bei Unterrichtsschluss zu gefährlichen Situationen. Der Grund: „Eltern-Taxen“ blockieren die Zufahrten.

„Wenn sie könnten, würden manche Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis ins Klassenzimmer fahren“, sagt Petra Berberich, Leiterin der Hermann-Allmers-Grundschule an der Berliner Straße. Dort staut sich regelmäßig morgens und zu Schulschluss der Verkehr, da zahlreiche Mütter und Väter ihre Kinder mit dem Auto zur Grundschule und zur benachbarten Außenstelle des Max-Planck-Gymnasiums bringen.

Antrag auf Tempo-30-Zone abgelehnt

„Einige fahren fast bis auf den Schulhof, andere blockieren die Busspur“, beobachtet Berberich eigenen Angaben zufolge regelmäßig. Appelle an die Eltern fruchteten wenig. Und auch dem Wunsch nach Ausweisung einer 30-km/h-Zone vor der Schule ist die Politik zum Bedauern der Schulleiterin bislang nicht nachgekommen. „Das würde die Situation ein wenig entschärfen“, ist sich Petra Berberich sicher.

Generelles Problem

„Die ,Eltern-Taxen‘ sind immer mal wieder Thema, meistens mit Beginn der dunklen Jahreszeit im Herbst“, sagt Petra Suhrkamp, Vorsitzende des Stadtelternrates Schulen. „Generell ist das aber sicher ein gesellschaftliches Problem. Die Zeiten haben sich gewandelt, der Fahrdienst für die Kinder ist heute der Normalfall“, so die Elternratsvorsitzende.

Immer wieder Beschwerden

Dass das Thema „Eltern-Taxen“ immer wieder Anlass zu Beschwerden von verschiedenen Seiten gibt, bestätigt die Stadtverwaltung auf Nachfrage. Laut Pressesprecher Timo Frers sind nahezu alle 23 Standorte der Kindergärten und -tagesstätten, der 17 Grundschulen und zunehmend auch die weiterführenden Schulen betroffen. Die aus Vertretern der Stadt, der Polizei und der Verkehrswacht bestehende Verkehrssicherheitskommission nehme sich der Thematik an, wenn sich die Beschwerden häuften. Und seitens der Verkehrsbehörde wurden bereits vor einigen Schulen und Betreuungseinrichtungen Park- und Halteverbote angeordnet. Die Ausweisung zusätzlicher Parkflächen stelle keine Lösung dar.

Patentrezept nicht in Sicht

Laut Einschätzung des Fachdienstes Verkehr ist ein Patentrezept gegen das zunehmende Phänomen nicht in Sicht. Gleiches gelte für die Wirkung von Appellen. „Bei stichprobenartigen Kontrollen wird selbst bei drastischen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung leider immer wieder auf vielfache Uneinsichtigkeit seitens der Elternschaft gestoßen“, berichtet Frers.

An die Mütter und Väter werde daher ein weiteres Mal appelliert, zu prüfen, ob das Kind alternativ zu Fuß zur Schule gebracht werden kann, oder – nach einer Fahrradprüfung und zunächst noch mit elterlicher Begleitung – mit dem Fahrrad fahren kann.