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Arbeitsmarkt im Oktober Flüchtlinge zunehmend Thema für Delmenhorster Arbeitsmarkt

Von Frederik Grabbe | 29.10.2015, 18:17 Uhr

Die Arbeitslosigkeit in der Stadt Delmenhorst ist vergangenen Monat leicht gesunken. Dies haben jetzt die Agentur für Arbeit und das Jobcenter mitgeteilt. Insgesamt waren im Vergleich zum September im Oktober 74 Menschen weniger arbeitslos. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 10,4 statt 10,6 Prozent. Allerdings waren im Oktober 2014 42 weniger arbeitslos. Insgesamt suchen 4180 Personen in Delmenhorst nach Arbeit.

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  • Die Arbeitslosigkeit in Delmenhorst hat im Oktober im Vergleich zum Vormonat leicht abgenommen
  • Das Jobcenter bereitet sich auf steigende Flüchtlingszahlen vor
  • Zunehmend wird Fachpersonal im Sozialwesen gesucht – auch wegen der Flüchtlingsbetreuung
  • Die Anzahl an Stellen und Ausbildungsplätzen steigt an

„Insbesondere junge Arbeitnehmer haben sich aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet“, erläuterte Agentur-Geschäftsstellenleiterin Sandra Heywinkel. „Nach dem Sommer haben viele Schüler ihre Ausbildungen begonnen oder ihr Studium aufgenommen.“

Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen abgenommen hat, ist die Zahl der Unterbeschäftigten, also etwa Teilnehmer einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik, die aber nicht als arbeitslos registriert sind, zugenommen: von 13 auf 13,2 Prozent auf 5.343 Personen.

Agenturbezirk ist stabil aufgestellt

Im Agenturbezirk, der neben Delmenhorst auch die Gemeinde Ganderkesee umfasst, sind insgesamt 4.856 Menschen, 8,7 Prozent, arbeitslos, eine Verbesserung zum Vorjahr zum 0,1 Prozent. In der Gemeinde Ganderkesee sind also 676 Arbeitslose gemeldet.

In Delmenhorst bilden nach wie vor drei Blöcke den größten Teil der Arbeitslosen:

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  • Langzeitarbeitslose (44 Prozent)
  • -Ältere ab 50 Jahren (33 Prozent)
  • und Ausländer (23 Prozent).

Machen sich in den Bundesländern in Bremen und Niedersachsen langsam die anerkannten Flüchtlinge bemerkbar, indem sie die Zahl der Arbeitslosen Ausländer steigen lassen (siehe Kasten „Zur Sache“), ist diese Tendenz für Delmenhorst nur bedingt zu halten: 1082 Ausländer waren im Oktober arbeitslos, rund acht Prozent mehr als vor einem Jahr, aber zwei Prozent weniger als noch im September .

Die Diskrepanz zu den Entwicklungen in Bremen und Niedersachsen machen Heywinkel und Marion Denkmann, stellvertretende Leiterin des Jobcenters, an den stockenden Asylanmeldeverfahren fest sowie am Anmeldeverhalten von Flüchtlingen. Generell betrachte man in puncto Flüchtlinge die Lage in Delmenhorst noch „gelassen“, so Denkmann. „ Doch auch wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge noch kommen werden . Wir können nur versuchen, uns auf noch mehr von ihnen vorzubereiten, indem wir zum Beispiel Spezialisten in Vermittlungsteams einsetzen.“

 (Weiterlesen: Themenportal zu Flüchtlingen in Delmenhorst) 

Zunehmend Personal im Sozialwesen und in der Fertigung gesucht

Flüchtlinge sind auch bei den offenen Stellen ein Thema: „Träger, die sich um sie kümmern, arbeiten aktuell oft mit Ehrenamtlichen. Sie sind jetzt aber dabei, vermehrt Fachkräfte einzustellen“, beschreibt die Teamleiterin Arbeitgeber-Service bei der Arbeitsagentur, Regina Krumpe. Bewerber aus dem Sozialwesen seien aktuell gesucht, mehr aber noch aus dem Feld Produktion und Fertigung. Insgesamt sind 476 Stellen ausgeschrieben, mehr als 40 als im September. Die Konjunktur ist also gut aufgestellt, dies bestätigt auch ein Blick auf die fast 1600 seit Jahresbeginn ausgeschriebenen Stellen (plus neun Prozent).

Positives gibt es auch vom Ausbildungsmarkt zu berichten: 506 Ausbildungsstellen wurden im Berufsberatungsjahr gemeldet, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. „Aktuell sind 37 Stellen noch unbesetzt, wir versuchen immer noch, geeignete Bewerber zu finden“, so Krumpe. Allerdings ging die Zahl der Bewerber um fast 5 Prozent auf 1021 zurück. Dennoch habe der Ausbildungsmarkt eine „erfreuliche Entwicklung“ hingelegt. Krumpe: „Die Delmenhorster Betriebe wollen ausbilden, auch wenn es schwerer wird, Bewerber zu finden.“

Osteuropäer statt Flüchtlinge

Zudem habe sich der Bestand an Arbeitslosen im Jobcenter (Hartz-IV-Empfänger) um 42 auf jetzt 3353 leicht erholt. „Zum ersten Mal seit längerer Zeit. Wir hoffen, der Trend setzt sich fort“, kommentiert Denkmann. Das Jobcenter zählt derzeit 10725 Leistungsempfänger, ein Plus von 232 im Vergleich zum Oktober 2014. „Darunter sind noch nicht einmal die Flüchtlinge, sondern eher Osteuropäer, die im Zuge der EU-Erweiterung nach Delmenhorst gekommen sind.