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Arbeitsmarkt in Delmenhorst Gleichberechtigung von Frauen im Job noch immer ein Problem

Von Kristina Müller | 08.03.2017, 08:32 Uhr

Am Mittwoch, 8. März, ist Internationaler Frauentag. Anlass, um die Arbeitssituation von Frauen in Delmenhorst unter die Lupe zu nehmen, denn die Stadt ist Spitzenreiter in Sachen Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt.

Zum Internationalen Frauentag fordert die Delmenhorster Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann, eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt, die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie die Abschaffung von Minijobs als Haupterwerbstätigkeit.

„In den vergangenen Jahren ist die Quote derjenigen, die ausschließlich in einem geringfügig entlohnten Minijob arbeiten, besorgniserregend gestiegen. Und selbst gut ausgebildete Akademikerinnen lassen sich häufig auf Kompromisse im Berufsleben ein und sind dann sogar bereit, in Jobs zu arbeiten, die nicht ihren Qualifikationen entsprechen, wenn sie damit Beruf und Familie vereinbaren können“, teilt Borrmann mit.

Überdurchschnittlich viele Minijobber

In Delmenhorst ist der Anteil von Frauen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen auf den ersten Blick mit 10.694 von insgesamt 19.582 nicht schlecht, merkt Claudia Körner-Reuter, Leiterin der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft, an. Allerdings seien mit 4783 nicht einmal die Hälfte der Frauen vollzeitbeschäftigt , während der Anteil der Männer in Vollbeschäftigung bei rund 87 Prozent liegt. „Beschäftigungszuwächse rühren überwiegend aus Teilzeitbeschäftigungen. Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert“, findet Körner-Reuter.

Jeder vierte Delmenhorster war 2015 in einer sogenannten atypischen Beschäftigung . Darunter fallen Minijobs, befristete und Teilzeit-Beschäftigungen. Auch hier seien die Frauen laut Körner-Reuter mit einem Anteil von etwa 69 Prozent der 9416 Minijobber überproportional vertreten. „Das ist ein Spitzenwert, auch in Niedersachsen“, betont Körner-Reuter. Das habe auch Auswirkungen auf die Alterssicherung und Qualifikationen.

Gesetz zur Schließung der Lohnlücke

Nach wie vor liegen die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne von Frauen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um 21 Prozent niedriger als die von Männern. „Das ist ungerecht und nicht zeitgemäß“, empört sich Susanne Mittag. Für sie steht fest: „Um die Lohnlücke zu schließen, braucht es gesetzliche Maßnahmen.“ Deshalb werde ein Gesetzesentwurf zum individuellen Auskunftsanspruch und zur Überprüfung der Entgeltgleichheit in Betrieben jetzt im Parlament beraten.

Transparenz in den Unternehmen herzustellen sei eine Grundvoraussetzung für die Bekämpfung von Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts. Denn viele Frauen und auch Männer wüssten nicht, dass sie schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen beziehungsweise ihre Kolleginnen, führt Susanne Mittag aus.