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„Arroganter Monopolist“ Delmenhorster Oberbürgermeister greift EWE scharf an

Von Thomas Breuer | 19.05.2016, 15:56 Uhr

Nach seinen kritischen Worten gegen die Spitze des Energiekonzerns EWE in der Ratssitzung am Mittwoch legt Oberbürgermeister Axel Jahnz nach. In einer Pressemitteilung der Verwaltung äußerte sich der Rathauschef am Donnerstag ungewohnt scharf: „Wir haben es hier nach meiner Wahrnehmung mit einem arroganten Monopolisten zu tun, der sich zudem wie ein schlechter Verlierer verhält!“

In der Sitzung war die Vergabe der Stromkonzession für die kommenden zwei Jahrzehnte Thema, und Jahnz hatte sein Befremden gegenüber dem Vorgehen der EWE geäußert, die die Konzession bislang innehat. Er kritisierte die Lobbyarbeit des Konzerns, die von der EWE-Spitze um den Vorsitzenden Matthias Brückmann betrieben werde. Jahnz kritisierte eine mutmaßliche Einflussnahme auf die Delmenhorster Politik: „Ich könnte es auch Konzerngehabe nennen.“

„An David und Goliath erinnert“

„Ich fühle mich an die biblische Geschichte von David und Goliath erinnert“, so der Oberbürgermeister. „Da ist jemand größer als die anderen und weil er so groß ist, tritt er drauf, bis es passt. Wettbewerb braucht er nicht. Und am Ende kommen dann noch Drohgebärden.“

 Zum Verlauf der Ratssitzung , in der der Rat nicht die von der Verwaltung dringend angeratene Konzessionsvergabe an die Delmenhorster Stadtwerke beschloss, sondern die Einrichtung einer neuen Arbeitsgruppe, um alle Kriterien und eine mögliche Kooperation von Stadtwerken und EWE noch einmal zu überprüfen, äußerte sich Jahnz mit den Worten: „Ich war peinlich berührt.“ Jetzt kündigte er an: „Ich, als Oberbürgermeister dieser Stadt, der Stadt Delmenhorst, werde mich nicht irgendeinem Diktat beugen. Ich nicht.“

EWE hält sich mit Äußerungen zurück

Die Stadtwerke waren bei der Auswertung der Angebote nach Punkten deutlich vor der EWE gelandet. Basis war ein vom Rat beschlossener Kriterienkatalog, nach dem unter anderem Punkte wie Netzsicherheit und die effiziente Versorgung bewertet wurden.

Die EWE reagierte am Donnerstag nur sehr knapp auf die Ausführungen des Oberbürgermeisters. Ein Sprecher sagte: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn Herr Jahnz wieder zu einer sachlichen Diskussion zurückfinden würde.“ Inhaltlich stellte der Konzern klar: Dass man in der Kategorie Netzsicherheit weniger Punkte als die Stadtwerke erhalten habe, sei schlicht nicht plausibel. Die Mehrheit der Ratsmitglieder teile offenbar die Skepsis über das Ergebnis der Punktevergabe.