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Arzt kommt nicht zum Dienst Ärztlicher Bereitschaftsdienst in Delmenhorst verwaist

Von Thomas Breuer | 31.03.2017, 10:42 Uhr

Einen bislang einmaligen Vorgang hat es am Mittwochabend in der Ärztlichen Bereitschaftsdienstpraxis im Gesundheitsdienstzentrum an der Westerstraße gegeben: Die ersten Patienten warteten vergeblich auf den diensthabenden Arzt, andere standen später vor verschlossenen Türen.

Nach Darstellung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), die für den Bereitschaftsdienst verantwortlich ist, haben die Sprechstundenhilfen zunächst ohne Erfolg versucht, den Arzt telefonisch zu erreichen. Später hätten sie sich bei den Patienten entschuldigt und mitgeteilt, dass eine Behandlung nicht möglich sei, bevor die Praxis mit einem schriftlichen Hinweis an der Tür geschlossen worden sei. Zuvor seien auch die Notfallambulanz an der Wildeshauser Straße und der Rettungsdienst über den Ausfall informiert worden.

„Wir nehmen den Vorfall sehr ernst“

Helmut Scherbeitz von der KVN-Bezirksstelle Oldenburg sagte am Donnerstagmittag auf Nachfrage: „Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst, wissen aber derzeit aber nichts über die Gründe, weil wir den Arzt noch nicht erreicht haben.“ Er verfügt demnach nicht über eine eigene Praxis.

Eine Stunde lang niemand am Telefon

Zu denen, die am Mittwochabend vergeblich auf Hilfe hofften, gehörte auch der Delmenhorster Jens Tönjes. Bei seinem 83-jährigen bettlägerigen Vater war ein Katheter kaputt gegangen und der Hausarzt nicht mehr zu erreichen gewesen. Pflegedienste dürfen einen Austausch nicht vornehmen, also versuchte Tönjes die im Normalfall mittwochs von 17 bis 21 Uhr besetzte Bereitschaftsdienstpraxis unter der Nummer 116117 telefonisch zu erreichen. „Um 19 Uhr erfolgte mein erster Anruf“, sagt er. „Eine gefühlte Ewigkeit später, fast 20 Uhr, ging immer noch niemand ans Telefon.“

Nur eine Nachricht an der Tür

Tönjes suchte die Praxis persönlich auf und entdeckte die Nachricht an der Tür. „Unglaublich“, lautet sein Urteil.

„Das ist ein schwerer Verstoß und wird von uns verfolgt“, findet KVN-Vertreter Scherbeitz klare Worte. Der Bereitschaftsdienst sei eine „wichtige vertragsärztliche Pflicht“. Sollte ein schuldhaftes Versäumnis vorliegen, könnte dem Arzt ein Disziplinarverfahren drohen. Die Möglichkeiten der Sanktionen reichen laut Scherbeitz bis zu 30.000 Euro Geldstrafe: „Im Wiederholungsfall kann auch das Ruhen einer Praxis angeordnet werden.“

Bereitschaftsdienst auch im Umland

Den Patienten empfiehlt die KVN in solch einem besonderen Fall, auf die Bereitschaftsdienstpraxen in Bremen, Oldenburg oder Wildeshausen auszuweichen. „Jeder Patient muss sich selbst fragen, wie dringlich sein Anliegen ist“, sagt Scherbeitz. Eventuell müsse dann auch die Notfallambulanz aufgesucht werden.

Jens Tönjes hat in seiner Not alles, was er für seinen Vater brauchte, am Mittwochabend in einer Apotheke erstanden und den Katheterwechsel schließlich mit Hilfe einer medizinisch kundigen Bekannten vorgenommen. Die Notallambulanz kam wegen der Bettlägerigkeit seines Vaters nicht Frage. „Dort wird ja als Erstes gefragt, ob die Krankenkasse eine Krankenfahrt bereits genehmigt hat“, sagt er.