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„Askese schließt den Magen“ „Kampfdichter“ spielt in Delmenhorst mit Schubladendenken

10.04.2015, 16:42 Uhr

Liedermacher, Kabarettist oder doch Slam-Poet? Mit Philipp Scharri stellte sich am Donnerstag ein Alleinunterhalter in der Villa vor, der nichts davon und doch alles zugleich sein möchte.

„Kreativer Ungehorsam“ muss nicht gleich in eine Revolution münden, findet Philipp Scharri. Dem „gelernten Kampfdichter“, wie er sich vorstellte, haben es eher die kleinen und überraschenden Regelverstöße angetan: das üppige Trinkgeld für den unfreundlichen Kellner etwa, damit dieser etwas freundlicher wird.

Das Publikum folgt teils fasziniert, teils irritiert

Das Spiel mit dem Schubladendenken auf der einen Seite und den Verstößen auf der anderen zieht sich durch Scharris Programm wie ein roter Faden. Etwa 80 Besucher verfolgten die Show des eigenwilligen Alleinunterhalters teils fasziniert, teils irritiert. Scharri gab den Lautmaler und Slam-Poeten am Mikrofon ebenso wie den Liedermacher am Klavier. Zwischendurch trug er prosaische Geschichten vor und sprach über Gott und die Welt, vorzugsweise in hübschen Wortspielen.

Zu jung für einen Hippie, zu alt für einen Rapper

Immerhin lieferte Scharri seinen Zuschauern schließlich die „Erklärung“ für sein unbestimmtes künstlerisches Dasein: Er sei 1976 geboren und damit zu jung, um als Hippie durchzugehen, und zu alt, um von Rappern als ihresgleichen anerkannt zu werden. Dafür könne er rappen und dabei Gefühle zeigen – was Scharri sogleich mit einer wunderbaren Persiflage unter Beweis stellte.

Abwechslungsreiches Menü

„Nicht Fisch, noch Fleisch“, könnten Kritiker gegen Scharris Programm einwenden. Wer es aber mag, wird argumentieren, dass Philipp Scharri seinen Gästen ein wunderbar abwechslungsreiches Überraschungsmenü serviert hat. Der Dichter selbst findet: „Askese schließt den Magen.“