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Auf Bewährung 24-jähriger Delmenhorster wegen Drogenhandels verurteilt

Von Marco Julius | 02.08.2017, 18:18 Uhr

Keine 90 Minuten hat die Gerichtsverhandlung am Mittwochvormittag gedauert, bis das Urteil feststand. Das bedeutet allerdings nicht, dass kurzer Prozess gemacht wurde. Der 24-jährige Delmenhorster, der sich vor dem Amtsgericht verantworten musste, hatte gleich zu Beginn der Verhandlung mehr eingeräumt als noch bei der polizeilichen Vernehmung.

Er bestätigte in vollem Umfang die Richtigkeit des Tatvorwurfs. Rund 800 Gramm Marihuana und Haschisch waren in der Wohnung des jungen Mannes im März 2016 gefunden worden. Mit den Drogen hatte er Handel betrieben, wie er zugab. Gegenüber der Polizei hatte er noch angegeben, die Drogen lediglich für einen anderen gebunkert zu haben.

Strafe zur Bewährung

Diese neue Einlassung verkürzte nicht nur die Verhandlung, sondern minderte auch das Strafmaß. Der Delmenhorster, der polizeilich zuvor nicht aufgefallen war, hat eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten bekommen. Hinter Gitter muss er nicht. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit ist auf drei Jahre angesetzt, zudem wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen des Handels und der Menge der gefundenen Drogen – das 17-fache des Grenzwertes, der noch als minderschwerer Fall ausgelegt werden könne – auf ein Jahr und neun Monate plädiert.

Die Verteidigung hingegen hatte deutlich gemacht, dass eine Strafe unter einem Jahr aus ihrer Sicht angemessen erschien. Dabei stand vor allem eine Frage im Raum, die nicht in deutschen Amtsgerichten geklärt werden kann: Der Verteidiger führte aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis es zu einer weitreichenden Legalisierung der milden Droge Cannabis in Deutschland komme und verwies auf die Entwicklung unter anderem in einigen US-Staaten und in Kanada. In Deutschland befände man sich nun in einer Übergangsphase, die Legalisierung sei nahe, Prohibition sei kein hilfreiches Mittel bei Rauschmitteln, schon gar nicht, wenn man gegen einen Großteil der Bevölkerung agieren würde. Da müsse sich jetzt auch die Strafjustiz bewegen. Der Verteidiger machte keinen Hehl daraus, dass er bei seinem Mandanten keine Verbrechermentalität erkennen könne.

Drogenhandel keine Alternative

Der junge Mann, der seinen Realschulabschluss an der Abendschule nachholen und sich im Anschluss um eine Lehrstelle im Handwerk bemühen will, gab an, auch heute noch zu konsumieren, vor allem dann, wenn es ihm schlecht gehe. Eine Suchtproblematik liege bei ihm allerdings nicht vor, betonte er. Die Richterin wünschte ihm viel Glück dabei, sich eine berufliche Zukunft aufzubauen. Drogenhandel sei keine Alternative.