Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Auf dem Erdbeerhof Die Selbstpflücker sind wieder los in Delmenhorst

Von Merlin Hinkelmann | 17.06.2017, 11:47 Uhr

Auf dem Erdbeerhof in Stickgras geht es in diesen Tagen geschäftig zu: In den Felder leuchten rote Früchte – und die Menschen stehen gebückt zwischen den Pflanzen. Die Selbstpflücker sind wieder los.

Die Eimer sind voll. Gerade noch rechtzeitig. Wally Fast erntet noch eine letzte Frucht, schnappt sich die Henkel, ein Eimer links, ein Eimer rechts, und stapft durch den Mulch in Richtung Hofladen. Die graue Regenwolke hat sich direkt über das 1,5 Hektar große Feld geschoben und ergießt sich mit einem lauten Prasseln über den Selbstpflückern. „Tja, das muss auch mal sein“, sagt die Delmenhorsterin, während sie schnellen Schrittes versucht, ihre Erdbeeren in Sicherheit zu bringen. „Die sind für meine Kinder“, erzählt sie. Und auch wenn ihre Kleidung inzwischen pitschnass ist, hat Wally Fast noch beste Laune: „Es macht einfach Spaß, hier draußen zu sein.“

Größter Ansturm bis zum Ferienbeginn

Gerd Pleus hat sich Ende letzter Woche kurzfristig entschieden, sein Erdbeerfeld für Selbstpflücker zu öffnen. Groß angekündigt hat er das nicht, nur ein Schild an die Straße gestellt. „Irgendwie hat sich das rumgesprochen“, sagt der Erdbeerbauer. Gleich am nächsten Tag sind die Leute in Scharen auf den Erdbeerhof gepilgert, Mundpropanda sei Dank. 500 Gramm Erdbeeren kosten bei Pleus 1,50 Euro, Mindestabgabe 1,5 Kilo. „Ich denke, diese und nächste Woche ist der große Run, danach sind Sommerferien, da ebbt das erfahrungsgemäß wieder ab“, vermutet Pleus. Sein Geschäft steht und fällt mit dem Wetter. „Bei Starkregen sieht es schlecht aus – trotzdem gibt es Mutige, die hier mit dem Regenschirm auftauchen.“

Fünf verschiedene Sorten angepflanzt

Doch nicht nur auf seine Kunden, auch auf die Erdbeeren hat das Wetter seinen Einfluss. „Wenn es jetzt durchgängig heiß und schwül wäre, dann wäre es mit Selbstpflücken nach zwei Wochen vorbei.“ Pleus weiß, wovon er redet. In den letzten Wochen und Monaten hat er die Auswirkungen des kalten Frühjahrs zu spüren bekommen. Der Frost und die Feuchtigkeit haben viele Erdbeerpflanzen zerstört. „Die Erdbeere ist eine empfindliche Weichfrucht“, betont Pleus. „Zwischen 15 und 20 Grad und dazu Wind, das ist optimal.“ In den letzten Jahren, das beobachtet Pleus, sei das Wetter leider „immer extremer“ geworden. Damit die Selbstpflücker möglichst lange ernten können, hat Pleus fünf verschiedene Erdbeersorten angepflanzt. Rumba, Sonata, Darselect, Florence und Malwina heißen die. Manche Sorten werden früher reif, andere erst später.

Froh über jeden Selbstpflücker

Muss man die Erdbeeren nach dem Pflücken eigentlich abwaschen? „Nein, das ist ja das Schöne. Man kann sie gleich essen“, so Pleus. Damit er weiß, welche Flächen schon abgeerntet sind, befestigen die Leute einen Stock in der Erde – an der Stelle, wo sie mit dem Pflücken aufgehört haben. Zusätzlich gibt es jemanden, der die Pflücker einweist. „So bringen wir zumindest ein bisschen Ordnung in das Prozedere“, sagt Pleus. Denn das Selbstpflücken habe mitunter seine Schattenseiten. „Die Menschen rennen streckenweise kreuz und quer über das Feld und zerstören so die Erdbeeren.“ Und trotzdem ist Pleus froh über jeden Selbstpflücker. Früher, erinnert er sich, seien die Leute sogar mit dem Wäschekorb aufs Feld gekommen. Dann haben sie die roten Früchte eingekocht. „Das macht heute keiner mehr. Dafür kommen heute viele Ältere mit ihren Enkelkindern.“ Auch, was die Uhrzeit angeht, hat sich im Laufe der Jahre etwas verändert. „Vor 20 Jahren standen die Pflücker um kurz nach sieben Uhr in der Früh auf der Matte.“ Jetzt entscheidet das Wetter. „Bei prallem Sonnenschein kommen die meisten“, sagt Pleus und scherzt: „Vielleicht schmecken die Erdbeeren dann besser.“