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Auf offener Straße Pitbull beißt Chihuahua in Delmenhorst tot

Von Thomas Breuer | 13.10.2015, 19:47 Uhr

Die Delmenhorsterin Katrin Reinitz trauert um „Obi“. Ein nicht angeleinter Pitbull hat den zweijährigen Chihuahua auf der Fridtjof-Nansen-Straße attackiert und totgebissen.

„Obi“ war ein herziges Kerlchen. Wenn Katrin Reinitz mit ihrem zweijährigen Chihuahua auf andere Hundeliebhaber traf, sorgte er immer für Aufsehen. Doch der Letzte, dessen Aufmerksamkeit er erregte, war kein Hundefreund, sondern ein nicht angeleinter Pitbull auf der Fridtjof-Nansen-Straße. In der Nacht zum vergangenen Samstag hat der Kampfhund den kleinen Vierbeiner attackiert und getötet – mit einem einzigen Biss.

„Der will nur spielen“, hieß es noch

Katrin Reinitz ist von dem Vorfall sehr mitgenommen. Die 20-Jährige hat „Obi“ und sein weibliches Pendant „Amy“ schon als Hundebabys bekommen. In der Nacht zum Samstag wollte sie mit den beiden an der Leine nur kurz Gassi gehen. Unweit des Klosterdamms sei der ihr vom Sehen nicht unbekannte Pitbull auf sie zugekommen. Reinitz war in Begleitung ihres Freundes und eines Bekannten, sie forderte den Pitbull-Besitzer auf, das Tier zurückzupfeifen. „Der will nur spielen“, habe der Mann entgegnet. Sekunden später war „Obi“ tot.

Ihr Freund, sagt Reinitz, habe noch vergeblich versucht, dem Pitbull die Zähne auseinanderzudrücken. Sie selber sei zu keiner Handlung fähig gewesen: „Ich habe nur geschrien und geheult, war psychisch am Ende.“ Und der Pitbull-Besitzer habe sich lustig gemacht.

Lediglich zivilrechtliche Ansprüche

Die herbeigerufene Polizei hat, wie sie bestätigt, den Vorfall aufgenommen und auf mögliche zivilrechtliche Ansprüche verwiesen. Um den toten „Obi“ musste sich Katrin Reinitz selbst kümmern. Die Beamten hätten ihr lediglich mit wenig Einfühlungsvermögen signalisiert, dass das Tier von der Straße müsse. Aber sie teilten auch mit, dass der Vorfall dem städtischen Veterinäramt gemeldet werde.

Reinitz hat dorthin inzwischen auch selbst Kontakt aufgenommen. Nach ihrer Einschätzung ist der Pitbull-Besitzer nicht geeignet, Tiere zu halten. Auf Facebook, wo schon eine große Diskussion zu dem Vorfall läuft, pflichten ihr andere Delmenhorster bei.

Wesenstest für Hund, Prüfung für Halter

Die Stadtverwaltung erklärte auf Nachfrage, es werde wie folgt vorgegangen: „Per Verfügung wird der Hund als ,gefährlich im Sinne des Niedersächsischen Hundegesetzes (NHundG) erklärt und der Halter verpflichtet, ihn ab sofort nur noch an der Leine und mit Beißkorb zu führen. Danach muss der Hund einen Wesenstest absolvieren und der Halter seine Eignung nachweisen, wobei bei gefährlichen Hunden erhöhte Anforderungen zu stellen sind. Sollte sich der Halter uneinsichtig zeigen, wird ihm der Hund entzogen.“ Diese entsprechende Verfügung werde am Mittwoch fertiggestellt und danach dem Halter vom städtischen Außen- und Vollzugsdienst zugestellt.

„Nächstes Mal ist es vielleicht ein Kind“

Dass etwas geschehen muss, steht für Reinitz außer Frage: „Das nächste Mal ist es vielleicht ein Kind, das dem Pitbull zu laut ist.“ Eine Unterschriftensammlung ist angedacht. Am liebsten aber möchte die Hundefreundin ihr jetziges Wohnumfeld verlassen.

„Obi war besonders und ein bisschen verrückt“, erinnert sich Katrin Reinitz an ihren verstorbenen Liebling. Wie sehr er jetzt fehlt, sieht sie seit dem Vorfall auch an „Amy“. Die Chihuahua-Dame sei sehr ruhig geworden. „Trockenfutter frisst sie im Moment gar nicht, ich muss ihr immer etwas kochen.“