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Aufführung in Delmenhorst Kinohit „Honig im Kopf“ begeistert auch auf der Bühne

Von Jasmin Johannsen | 09.11.2017, 13:13 Uhr

Leichtverdauliche Tragikomödie trotz ernster Thematik: Die Theaterversion von Til Schweigers Kinohit „Honig im Kopf“ beschäftigte sich am Mittwochabend im ausverkauften Kleinen Haus in Delmenhorst mit Alzheimer.

„Es fühlt sich so schrecklich, scheußlich, schlimm an, wenn man sich an nichts mehr erinnern kann!“ Mit diesen Worten erklärt Opa Amandus seiner Enkelin Tilda in „Honig im Kopf“ wie es ist, wenn man Alzheimer hat. Die Tragikomödie mit Karsten Speck, Astrid Kohrs, Achim Wolff und Anne Bedenbender wurde am Mittwochabend vor ausverkauften Reihen im Kleinen Haus aufgeführt. Doch solche ernsten Töne waren eine Seltenheit in der Theaterversion von Til Schweigers Kinoerfolg. Präsentiert wurde dagegen Alzheimer light.

Wahnwitziger Plan

Zur Handlung: Dem charmanten Lebemann Amandus Rosenbach (Achim Wolff) „löst sich das Hirn ab“. Er kann sich nach dem Tod seiner Ehefrau nicht mehr selbst versorgen und zieht zur Familie seines Sohnes Niko (Karsten Speck). Die Schwiegertochter Sarah (Astrid Kohrs) kann unterdessen mit der Vergesslichkeit des alten Herrn nicht umgehen und möchte ihn lieber im Altersheim sehen. Einzig Enkeltochter Tilda (Anne Bedenbender) geht auf die speziellen Bedürfnisse ihres geliebten Opas ein und versucht ihn durch einen wahnwitzigen Plan vor dem Heim zu bewahren.

Anne Bedenbender sticht hervor

Es ist dann auch Tilda, die mit direkten Blicken ins Publikum die Erzählerinnenrolle einnimmt. Den ewigen Streit der Eltern kommentiert sie trocken: „Die fetzen sich, weil Papa mit seiner Sekretärin gesext hat.“ Anne Bedenbender sticht aus dem kleinen Ensemble hervor. Und das nicht nur, weil sie, immerhin Jahrgang 1986, mit viel kindlicher Neugier und Einfühlvermögen die 12-jährige Tilda spielt. Ihre Dialoge mit Achim Wolff gehören zu den unterhaltsamsten und anrührendsten Episoden des Stücks. Das mag auch daran liegen, dass Wolff durch die seichten Züge seiner Rolle immer wieder die Verzweiflung von Alzheimerkranken durchschimmern lässt und so und die Thematik nicht ganz verharmlost. Denn es sind doch eher die Witzchen eines vergesslichen, durch die Weltgeschichte schlurfenden alten Herren, die von „Honig im Kopf“ im Gedächtnis bleiben: „Eine Nonne möchte vom Bauern eine Gurke kaufen, sagt der: ‚Nehmen sie doch zwei, dann können sie eine essen!‘“

Viel Szenen- und Schlussapplaus

Das Publikum lacht und spendet trotz oder gerade wegen der leicht verdaubaren Umsetzung eines ernsten Themas viel Szenen- und Schlussapplaus. Vielleicht auch deshalb, weil einige von ihnen selbst mit der Problematik konfrontiert sind und wissen: Eigentlich ist Alzheimer nicht zum Lachen.