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Aufgabenfeld wird größer Delmenhorster „Villa“ betreut viele Flüchtlinge

Von Thomas Breuer | 08.12.2015, 09:31 Uhr

Sich in Sicherheit zu wissen, das ist für viele Flüchtlingsfamilien in der Vorweihnachtszeit offenbar das größte Geschenk. So nehmen es Villa-Leiter Kai Ströhmer und sein Team wahr.

Dramatische Geschichten erreichen auch Sozialarbeiter mitunter ganz unerwartet. Etwa der Bericht der beiden jungen Iraker, die ihre Freizeit gerne im Familienzentrum Villa an der Oldenburger verbringen und auf einmal davon erzählten, wie sie es nach Deutschland geschafft haben. Und dass sie deutlich mehr Glück hatten als andere, die vor ihren Augen im Mittelmeer ertrunken sind.

Viele nachdenklich stimmende Geschichten

Es sind viele nachdenklich stimmende Geschichten, mit denen Villa-Leiter Kai Ströhmer und seine Kollegin Ramona Schmidt seit einigen Wochen konfrontiert werden. Bis zu 60 Flüchtlinge nehmen inzwischen regelmäßig die Angebote des Hauses wahr – Kinder und Jugendliche, aber auch erwachsene Frauen und Männer. Zum Teil leben sie in zugewiesenen Wohnungen, zum Teil ist die Sporthalle der Hauptschule West ihr Zuhause auf Zeit. Der Zuwachs an Besuchern ist enorm – gemessen an den vor der Flüchtlingswelle vorhandenen 80 bis 90 Stammgästen.

„Hier muss man Basisarbeit leisten“

Viele Begegnungen laufen erfreulich, heißt es aus der Villa, dennoch sei der Ansatz ein besonderer. „Hier muss man Basisarbeit leisten“, sagt Ströhmer, „da kann man nicht gleich mit der Pädagogik ins Haus fallen.“ Im ersten Schritt gehe es darum, dass Vertrauen der Menschen zu gewinnen.

Dass dies relativ schnell gelingt, zeigen wiederum kleine Begebenheiten. Eine Flüchtlingsfamilie etwa verabschiedete und bedankte sich noch einmal persönlich, bevor sie zu Verwandten nach außerhalb zog.

Noch lastet so manches auf der Seele

Was viele der Flüchtlinge erlebt haben, weiß das Villa-Team oft nicht so genau. Doch dass manches auf der Seele lastet, merken die Sozialpädagogen. Wenn etwa ein Flugzeug über das Haus fliegt und die Blicke unruhig werden. Ramona Schmidt hat es auch schon erlebt, dass jemand partout nicht mit den Keller wollte, um Getränke zu holen. Dennoch: Immer wieder sei Thema, dass man sich in Deutschland endlich sicher fühle.

Dass sich viele Flüchtlinge schnell integrieren wollen, steht für Ströhmer und Schmidt außer Frage. Das Sprachangebot etwa werde gerade von jungen Erwachsenen gut angenommen. Damit aber schon vorher jeder die Hausordnung der Villa kennt, ist sie auch in Arabisch und Englisch ausgehängt.

Fünf neue Honorarkräfte eingestellt

Um sich den Flüchtlingen, die noch ohne Deutschkenntnisse sind, auch ohne den Einsatz von Händen und Füßen nähern zu können, ist der Bereich der Honorarkräfte in der Villa gerade um fünf Mitarbeiter aufgestockt worden. Sie sprechen die Sprachen der Flüchtlinge, haben zum Teil zuvor im Kreis der ehrenamtlichen Integrationslotsen mitgearbeitet.

„Deutsch ist kein Muss“, betont Ströhmer. „Wenn wir es einfordern würden, wäre es kommunikationsstörend.“ Er findet es auch „wichtig, ein bisschen deren Sprache zu sprechen“. Was manchmal durchaus für Erheiterung sorgt. Letztlich sei aber fast jeder der neuen Besucher in der Villa daran interessiert, sich irgendwann auf Deutsch verständigen zu können.